Raritäten & Neuimporte im Fokus 353

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierrarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Raritäten & Neuimporte im Fokus 353 1

oben links: Alestopetersius caudalis
Der Gelbe Kongosalmler (Alestopetersius caudalis) stammt ursprünglich, wie der Name andeutet, aus dem Kongo. Er wird aber so gut wie nie als Wildfang gehandelt, da er sich sehr gut züchten lässt. Mit rund 6 cm Endlänge gehört er zu den kleineren Arten der Kongosalmlerverwandtschaft. Im Laufe seiner aquaristischen Karriere hat er schon mehrfach den Gattungsnamen gewechselt und man findet ihn in der Literatur auch als Hemigrammopetersius caudalis oder Phenacogrammus caudalis.
Je nach Lichteinfall sieht das Tier unterschiedlich aus. Bei Licht von oben ist es gelblich-durchsichtig, bei Licht schräg von oben leuchtet der Rücken blau und bei seitlichem Licht funkelt der Körper, als sei er mit Diamanten besetzt.
Alestopetersius caudalis ist völlig friedlich, aber etwas scheu, weshalb man ihn in möglichst großem Trupp von Artgenossen in einem dicht bepflanzten Aquarium, das aber auch genug Schwimmraum lässt, bei nicht zu grellem Licht pflegen sollte. Jedes Trinkwasser eignet sich zur Pflege. Die schönste Flossenentwicklung zeigen die Tiere allerdings in weichem, leicht sauren Wasser (pH um 6). Die Temperatur sollte zwischen 22 und 28°C liegen. Gefressen wird alles Futter tierischen Ursprungs, egal ob Trocken-, Frost- oder Lebendfutter. Eine besondere Freude macht man den Tieren durch die Verfütterung von kleinen Fruchtfliegen (Drosophila), ein Trick, den Züchter anwenden, um einen möglichst üppigen Laichansatz beim Weibchen zu erzielen.

oben rechts: Etroplus suratensis
Meist erhalten Großhändler wie Aquarium Glaser den Indischen Perlbuntbarsch (Etroplus suratensis) als Wildfang aus Süd-Indien (früher auch von Sri Lanka) oder als deutsche Nachzucht aus Zooaquarien. Jetzt hat Glaser erstmals Nachzuchten aus Indonesien importiert; manche Exemplare dieser Nachzuchten zeigen kein Streifenmuster, sondern haben ein unregelmäßiges Bogen- und Schnörkelmuster auf der hinteren Körperhälfte. In der Natur hätte solche Fische kaum eine Überlebenschance. Jugendliche Etroplus suratensis leben in größeren Trupps und wer hier farblich auffällt wird rasch zur Beute eines Fischfressers. Im Aquarium gibt es aber keine Fressfeinde und so können sich derartige Mutationen halten. Sicher ist, dass sie sehr interessant aussehen!

unten links: Lasiancistrus heteracanthus
Aus Peru konnte Glaser den nur sehr selten eingeführten Rotaugen-Deltaschwanzwels, Lasiancistrus heteracanthus, in kleiner Stückzahl importieren. Diese Art erreicht eine Gesamtlänge von 15-18 cm und neben dem namensgebenden roten Auge fällt besonders der hübsche, rotbraun gefärbte untere Schwanzflossenlappen auf.
Lasiancistrus sind hervorragende Algenfresser und passen in nahezu jedes Gesellschaftsaquarium. Die Wassertemperatur sollte etwas höher als üblich liegen, 25-29°C sind ideal. Das Wasser in der Natur ist dort, wo diese Art lebt, nur schwach sauer oder leicht alkalisch; der pH-Wert braucht darum nicht besonders niedrig zu sein und sollte im Gegenteil möglichst nicht unter pH 6 sinken.
Wie nahezu alle ancistrinen Welse ist auch diese Art ein Höhlenbrüter. Ein in der Natur gefundener Laichballen von L. heteracanthus umfasste gut 200 Eier, die in einer Höhle in einem im Wasser liegenden Baumstamm deponiert waren. Das Männchen bewacht den Laich.
Lexikon: Lasiancistrus: latein, bedeutet “struppiger Ancistrus”, was sich auf die Hautstacheln (Odontoden) bezieht. heteracanthus: altgriechisch, bedeutet “mit unterschiedlichen Stacheln”.


unten rechts: Neritina sp. „Tiger“

Die Rennschnecken der Gattung Neritina sind hinsichtlich der Bestimmung manchmal eine Herausforderung. Einerseits ist die Gehäusefärbung so variabel, dass sie zur Artbestimmung nicht taugt, andererseits ist aber die Gehäusefärbung das wichtigste Kaufkriterium.
Die Neritina, die eine ovales, etwas zwiebelförmiges Gehäuse haben, leben in der Natur in Brackwasserregionen und fallen bei Ebbe gewöhnlich trocken. So müssen sie, ähnlich wie unsere in Nord- und Ostsee heimischen Strandschnecken, sowohl reines Süßwasser (wenn es stark regnet) wie auch reines Meerwasser (wenn die Flut kommt) in raschem Wechsel vertragen können.
Inzwischen herrscht einigermaßen Einigkeit, dass die beliebteste Schnecke dieses Typs, die Zebra-Rennschnecke, als Neritina turrita anzusprechen ist. Zur gleichen Art gehört die Traktor-Schnecke, bei der viele Exemplare aussehen, als habe ein Traktor-Reifen eine Spur über das Gehäuse gezogen. Einfarbig rotbraune Exemplare, die ebenfalls zu dieser Art gehören, werden als Neritina sp. „Onion“ bezeichnet.
Alle N. turrita-Varianten neigen dazu, aus dem Aquarium zu auszuwandern. Diese Neigung ist bei manchen stärker und bei anderen weniger stark ausgeprägt, aber immer vorhanden, weshalb man das Aquarium, das diese Schnecken bewohnen, gut abdecken muss.
Die Neritina sp. „Tiger“, die Glaser jetzt aus Indonesien erhalten hat, sind den N. turrita-Schnecken sehr ähnlich, jedoch haben sie einen extrem starken Drang, das Wasser zu verlassen. Möglicherweise handelt es sich um Neritina (früher Vittina) semiconica. Offenbar besiedeln sie den Gezeitenbereich, wo die Ebbe am längsten währt; sie scheinen auch reines Süßwasser dauerhaft nicht zu mögen, weshalb man sie vielleicht besser in Brack- oder Meerwasseraquarien unterbringt. Grundsätzlich empfiehlt sich für Neritina-Arten hartes Wasser und ein pH-Wert über 8, saures Wasser mögen sie in der Natur zwar manchmal besiedeln, im Aquarium tut es den meisten Arten aber gar nicht gut.
Alle Neritina sind fantastische Algenfresser, die harte Untergründe abweiden. Zu einer Vermehrung im Aquarium kommt es nicht, da die (bei Neritina freischwimmenden) Larven sich nur im Meer entwickeln.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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