Raritäten & Neuimporte im Fokus 367

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierrarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Raritäten & Neuimporte im Fokus 367 1

oben links: Cochliodon sp. L360
Glaser hat einige wunderschön gezeichnete Gelbflossen-Harnischwelse erhalten. Der Wels stammt aus dem mittleren Rio Jamanxim in Brasilien und ist weder bezüglich der Gattungszuordnung noch bezüglich der Artzugehörigkeit bislang richtig (also wissenschaftlich) bestimmt. Es ist allerdings durchaus möglich, dass dieser Wels bereits wissenschaftlich beschrieben wurde; Jungtiere sind nämlich recht unscheinbar, sie sind einfarbig braun und haben noch nicht die markanten, gelben Flossensäume. Auch die Bezahnung junger Tiere ist „normal“, entspricht also dem üblichen Bezahnungsschema von Hypostomus und Cochliodon-Arten, während die schönen erwachsenen Tiere eine Panaque-Bezahnung aufweisen. Im Gegensatz zu Panaque haben L360 aber keine abspreizbaren Interopercularodontoden.
Abgesehen von der zu erwartenden Größe – die Tiere werden sicher über 30 cm lang – sind es problemlose, friedliche Pfleglinge. Man sollte ihnen, wie Panaque, viel weiches Totholz als Nahrungsgrundlage in das Aquarium geben.

oben rechts: Biotoecus dicentrarchus
Die Zwergcichliden der Gattung Biotoecus waren jahrzehntelang geheimnisumwittert. Die erste Art, B. opercularis, wurde schon 1875 wissenschaftlich beschrieben. Sie stammt aus dem Einzug des Amazonas in Brasilien, einem gut besammelten Gebiet für aquaristische Zwecke, und doch gelang der Erstimport erst Mitte der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Die Art galt als einer der empfindlichsten Aquarienfische überhaupt. Ihre zarten Pastellfarben und das ungewöhnliche Brutverhalten – die Fische bauen als Sandbewohner gern kleine „Burgen“ zur Eiablage – machte ihn dennoch zu einem begehrten Pflegling bei Spezialisten.
1989 wurde eine zweite Art der Gattung, B. dicentrarchus, aus dem Orinoko-Einzug beschrieben. Konservierte Tiere unterscheiden sich fast nur durch winzige anatomische Details, die man unter dem Mikroskop untersuchen muss, von B. opercularis. So schaute man bei jedem der (seltenen!) Importe von Biotoecus ganz genau hin, ob Unterschiede erkennbar seien.
Heutzutage sind Biotoecus zwar alles andere als Alltagsfische, aber bei weitem nicht mehr so empfindlich. Die immer besser werdenden Fang-, Transport- und Hälterungsmethoden vor Ort sind der Grund dafür. Und so kommen sowohl B. opercularis wie auch B. dicentrarchus, wenn sie angeboten werden, in guter bis sehr guter Verfassung hier an und stellen niemanden vor unlösbare Probleme. Die Unterscheidung von B. dicentrarchus und B. opercularis ist sehr einfach: B. dicentrarchus hat im vorderen Teil der Rückenflosse freie, verlängere Strahlen, so dass hier eine „Kakadu“-Form der Rückenflosse entsteht. Bei B. opercularis sind alle Strahlen in der Rückenflosse ungefähr gleich lang.
Zur Pflege ist ein Boden aus feinem Sand das wichtigste, dazu Wärme (26-30°C), Huminstoffe (aus totem Laub, Erlenzäpfchen, Torf, etc.) und möglichst keine oder nur extrem friedliche Gesellschaft, denn Biotoecus sind stressempfindlich. Wenn man jetzt noch gute Wasserpflege betreibt und keimarme Bedingungen schafft, wird man viel Freude an den Tieren haben.

unten links: Corydoras melanistius
Dieser schöne Panzerwels stammt aus Venezuela, ist zwar der Wissenschaft schon lange bekannt – er wurde bereits 1912 als Corydoras melanistius aus dem Essequibo-River in Guyana beschrieben – und wurde in der aquaristischen Literatur auch oft erwähnt, doch handelt es sich in sehr vielen Fällen um Verwechslungen mit anderen, ähnlichen Corydoras-Arten.
Corydoras melanistius zeichnet sich durch die Kombination folgender Merkmale aus: Schnauze spitz und lang (ca. 1,7x länger als Augendurchmesser); dunkle Augenbinde deutlich ausgeprägt, endet kurz unterhalb des Auges; heller Nackenfleck oberhalb des Kiemendeckels bis zum Rückenfirst zwischen Augenbinde und Ansatz der Rückenflosse. Rückenflosse an der Basis mit einem deutlich ausgeprägten schwarzen Fleck, das schwarze Pigment zieht sich bis ca. 70% der Höhe der Rückenflosse; Körperzeichnung hinter dem Nackenfleck aus feinen Punkten, die manchmal zu dünnen senkrechten Linien zusammengezogen sein können; Schwanzflosse und übrige Flossen ohne auffälliges Zeichnungsmuster, nur die Fettflosse manchmal mit schwarzen Punkten.
Gemischt mit C. melanistius finden sich gelegentlich C. agassizii, C. ambiacus und C. delphax (es gibt weitere, sehr ähnliche Arten aus anderen Verbreitungsgebieten), die sich u.a. alle durch die kontrastreich gezeichnete Schwanzflosse von C. melanistius unterscheiden.
Corydoras melanistius wird etwa 5 cm lang, Weibchen werden größer als die Männchen. Es sind schöne und friedliche Bodenfische, die sich im Trupp (ab 5 Exemplaren aufwärts) am wohlsten fühlen.


unten rechts: Pterophyllum leopoldi („dumerilii“)

Diese Saison gibt es besonders attraktive Pterophyllum leopoldi aus Brasilien. Leider mögen die Tiere das Fotobecken überhaupt nicht und zeigen dort nur einen Bruchteil der herrlichen Farben – ein prächtiger Grünschimmer am ganzen Körper und ein sehr schöner Rotton im Rücken -, den gut eingewöhnte Tiere dieser Form zeigen können. Aber auch in „Angstblässe“ sind die Fische noch sehr schön. Auffällig sind außerdem die sehr ausgeprägten Zähne dieser P. leopoldi, die besonders beim Männchen (das größere der beiden fotografierten Exemplare mit höherem Rotanteil im Rücken) sehr ins Auge fallen.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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