Raritäten & Neuimporte im Fokus 368

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierrarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Raritäten & Neuimporte im Fokus 368 1

oben links: Rineloricaria sp. aff. latirostris
Aus dem Süden Brasiliens stammen diese offenbar voll ausgewachsenen (ca. 10-13 cm) Rineloricaria sp. aff. latirostris.
Die Männchen von R. sp. aff. latirostris sind extrem bestachelt, sie haben nicht nur den üblichen „Backenbart“, sondern auch entlang des gesamten Schwanzstiels kräftige und spitze Odontoden, was zu der Populärbezeichnung „Bürstenharnischwels“ führte. Spannend ist, dass diese Art polychromatisch ist, d.h. es treten mehrere Farbformen innerhalb einer Population auf. Dieses Phänomen ist zwar bei Rineloricaria nicht unbekannt – man denke an die roten R. lanceolata – aber doch insgesamt eher selten. Konkret gibt es bei den Tieren von Glaser R. sp. aff. latirostris „normal“ gefärbte Tiere, also dunkelgrau mit Bänderung, dann sehr helle, fast weißlich erscheinende Tiere, bei denen die Bänderung stark zurücktritt und sehr dunkle, schokoladenfarbene Tiere.
Die Fische zeigen sich unproblematisch in der Pflege; offenbar handelt es sich um Sandbodenbewohner, denn im Fotobecken versuchten sie bei Störung sofort, sich durch rasche, schlängelnde, seitliche Bewegungen in den Kies/Sand einzugraben. Man bedenke bei der Pflege die südliche Herkunft der Tiere, d.h. man sollte ihnen Temperaturen zwischen 18 und 23°C bieten und es nur ausnahmsweise wärmer werden lassen.

oben rechts: Sicyopus rubicundus
Aus Indonesien stammen die wunderschönen Sicyopus-Grundeln. Diese sind – trotz äußerlicher Ähnlichkeit – keine Aufwuchsfresser, wie Stiphodon oder Sicyopterus, sondern Kleintierfesser, die deutlich größere Futterbrocken jagen. Dazu zählen auch kleine Fische und Garnelen bis zu einem Zentimeter Länge, obwohl die Grundeln selbst nur maximal 5-6 cm lang werden und sehr schlank gebaut sind.
Bezüglich der Artbestimmung gab es reichlich Konfusion, Glaser sprach die (anfangs völlig farblosen) Tiere zunächst als Sicyopus zosterophorum (Bleeker 1856) an; dann haben sich die Männchen aber ausgefärbt und sie dachten, dass es sich um die mit S. zosterophorum eng verwandte und ebenso hübsche Art S. exillisquamulus Watson & Kottelat 1994 handelt – nun ja, jedenfalls fast. Denn in der wissenschaftlichen Literatur wird S. exillisquamulus mit S. auxilimentus Watson & Kottelat 1994 synonymisiert.
Wie Glaser Laurent Tyty schließlich unter Berufung auf die aktuellste wissenschaftliche Literatur zu Sicyopus (Keith et al., 2015) freundlicherweise mitteilte, handelt es sich bei ihren Importen tatsächlich offenbar um die Art Sicyopus rubicundus Keith, Hadiaty, Busson & Hubert, 2014; S. auxillimentus (neben S. exallisquamulus synonymisieren Keith et al. auch noch S. cebuensis Chen & Shao, 1998 mit dieser Art) hat im Gegensatz zu S. rubicundus keine orangefarbenen Lippen.
Sie hatten S. rubicundus schon früher (2006) unter der Bezeichnung Sicyopus sp. Red importieren können. Die Art unterscheidet sich von S. zosterophorus durch das Fehlen eines schwarzen Balkens unter dem Auge, die orangefarbenen Lippen und das Fehlen von deutlichen, senkrechten Streifen am Körper. Die Färbung von S. rubicundus ist zudem eher orange, die von S. zosterophorum eher rot. Weibchen beider Arten sind weitgehend farblos.
Sicyopus sind Bewohner von Bächen und lieben klares, strömendes Wasser, Sandboden und Versteckmöglichkeiten. Zwar laichen Sicyopus regelmäßig im Aquarium ab – es sind Höhlenbrüter – aber die winzigen Larven müssen sich im Meer entwickeln; bislang sind keine erfolgreichen Aufzuchten bekannt geworden.

unten links: Pseudomugil paskai und P. luminatus
Die gezeigten Pseudomugil paskai kommen aus Indonesien. Weil nach seiner Entdeckung des Roten Neonblauauges dieses zunächst für eine Farbvariante von Pseudomugil paskai gehalten wurde, erwarten heute immer noch viele Hobbyisten und Händler, diesen Fisch zu erhalten, wenn sie P. paskai bestellen.
Tatsächlich ist das Rote Neonblauauge aber eine andere Art, die als Pseudomugil luminatus beschrieben wurde. Pseudomugil paskai ist aber weiterhin eine gültige Art! Und eine besonders hübsche dazu. Die Unterschiede liegen in der Färbung. P. luminatus haben einen orangefarbenen Körper, während P. paskai einen neonblauen Glanz entwickeln.
Beide Arten werden ungefähr gleich groß, nämlich 3-3,5 cm, und haben absolut identische Ansprüche an das Aquarium. Darum sollte man gut aufpassen, beide Arten nur getrennt unterzubringen, sonst kommt es bei der Laichfreudigkeit der Tiere unvermeidbar zu Hybriden.


unten rechts: Brachychalcinus orbicularis (Poptella fuscata)

Diskussalmler der Gattungen Brachychalcinus, Poptella, Stethaprion und Orthospinus bilden die so genannte Stethaprion-Clade. Gegenwärtig (2021) sind 11 Arten beschrieben, weitere 11 Arten bereits bekannt, aber noch nicht bearbeitet (Garcia-Ayala & Benine, 2020). Sie sehen einander ziemlich ähnlich und wurden seit dem Erstimport um 1935 immer wieder miteinander verwechselt. Im Hobby hat man sich angewöhnt, alle Diskussalmler als „Brachychalcinus orbicularis“ zu bezeichnen, da Bestimmungsversuche gewöhnlich zum Scheitern verurteilt waren.
Der wesentliche Unterschied zwischen den Gattungen Poptella und Brachychalcinus liegt in einem unscheinbaren Flossenelement, dem so genannten predorsalen Stachel. Dieser ist bei Poptella-Arten sattelförmig gebogen, bei Brachychalcinus gerade. Das erkennt man nur mit einer guten Lupe, auf einem scharfen Photo oder an konservierten Exemplaren.
Die ausgewachsenen Tiere auf den Fotos sind etwa 5-7 cm lang. Gewöhnlich sind Diskussalmler silbrig, ohne auffällige Farben und wirken eher durch ihre Gestalt attraktiv. Aber Glasers Tiere wurden balzaktiv, die Männchen entwickelten lang ausgezogene Rückenflossen und kräftig orangerote Schwanzflossen. Sie waren so hübsch, dass sie sie fotografierten. Dabei stellte sich zur Überraschung heraus, dass es sich bei den Tieren um die erst 2020 benannte Art Poptella fuscata handeln muss – vorausgesetzt, es ist keine der noch unbenannten Arten. P. fuscata ist bislang aus dem oberen Amazonas in Peru und Brasilien bekannt, könnte aber durchaus noch weiter in Amazonien verbreitet sein. Das Alleinstellungsmerkmal der Art ist die Form der beiden Schulterflecken und die Tatsache, dass sie 11-12 geteilte Flossenstrahlen in der Rückenflosse besitzt. Beides passt zu den gezeigten Tieren.
Diskussalmler sind eine sehr schöne Alternative zu Scheibensalmlern, wenn man nur über mittelgroße Aquarien verfügt, denn sie werden allgemein nur um 8 cm lang. Außerdem fressen diese Tiere nicht so radikal Pflanzen, wie das die Scheibensalmler tun. Nur sehr zarte Gewächse sind nicht vor ihnen sicher. Untereinander und gegen artfremde Fische sind Diskussalmler friedlich. Sie sind unbedingt in Gruppen zu pflegen, denn sie suchen gezielt die Gesellschaft von Artgenossen.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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