Raritäten & Neuimporte im Fokus 16

Die Aquaristik enthält unzählige Tierarten, die es zu entdecken gibt. Viele von diesen sind noch unbekannt und nur selten im Handel anzutreffen. Wir stellen euch 4 Arten davon vor:

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

oben links: Nannacara sp. Sourourou

Ihren drolligen Namen hat diese Nannacara-Art, die noch der wissenschaftlichen Bearbeitung harrt, von dem Fundort, dem Crique Sourourou in Französisch Guyana, der küstennah fließt und zum Einzug der Flüsse Sinnamary und Kourou gehört. Mitgebracht wurde er 2002 von Wolfgang Staeck, der auch die Populärbezeichnung prägte. Nach diesem Autor ist die Art identisch mit dem Nannacara, der im Hobby als N. sp. Mana bezeichnet wird.

Der sehr hübsch gezeichnete Fisch gehört in die unmittelbare Verwandtschaft von Nannacara aureocephalus und wird auch ähnlich groß wie diese: Männchen werden ca. 8 cm, Weibchen rund 6 cm lang. Der auffällige Größenunterschied der Geschlechter ist bei Nannacara Programm. Die kleinen Weibchen legen während der Brutpflege ein auffälliges Farbkleid an und verteidigen den Laich äußert aggressiv. Es handelt sich bei Nannacara um offenbrütende Cichliden.

Bezüglich der Pflege ist Nannacara sp. Sourourou nicht sehr anspruchsvoll, doch zur Zucht muss das Wasser sehr weich und sauer sein.

Lexikon: Nannacara: Nannacara: bedeuted “kleiner Acara”. Acara ist ein Tupi- (=indianisches) Wort für Buntbarsch. aureocephalus: latein, bedeutet “mit goldenem Kopf”.

oben rechts: verschiedene Arten indischer Blaubarsche

oben rechts ist Badis singenensis zu sehen.

Diese wunderschönen Zwergbarsche – keine Art wird größer als 6-8 cm, die meisten bleiben erheblich kleiner – sind ideale Aquarienfische.

Alle Badis-Arten sind Brutpfleger im männlichen Geschlecht. Das Männchen besetzt eine Bruthöhle (Blumentopf, halbe Kokosnuss etc., in der Natur bauen sie ihre Höhle in Fadenalgenklumpen, in die sie mit dem Körper eine Mulde drücken). Die Balz ist sehr eindrucksvoll und die Männchen erstrahlen in den prächtigsten Farben. Das Farbwechselvermögen von Badis ist ohnehin beeindruckend, man könnte oft meinen, verschiedene Arten vor sich zu haben. Darum nennt man Badis auch manchmal “Chamäleonfische”.

Hat das Männchen das Weibchen in die Bruthöhle gelockt, erfolgt die Paarung nach Art der Labyrinthfische mit denen Badis sehr nahe verwandt sind: Das Männchen umschlingt das Weibchen U-förmig. Die Eier heften an der Höhlenwand und werden vom Männchen bis zum Freischwimmen der Larven bewacht.

Bezüglich der Wasserwerte sind Badis anspruchslos. Die indischen Arten kann man gut bei Raumtemperatur, also ohne Zusatzheizung, pflegen. Die Temperatur darf im Bereich zwischen 18 und 30°C liegen, die Fische sind da sehr anpassungsfähig. Allerdings leben sie bei niedrigeren und schwankenden Temperaturen wesentlich länger.

Pflanzen werden von Badis-Arten nicht beschädigt und andere Fische gewöhnlich ignoriert. Nur ganz kleine Mitbewohner könnten als Futter angesehen werden.

Eng verwandt mit Badis ist Dario dario, der Zwergblaubarsch oder Scarlett. Im Gegensatz zu Badis laichen Dario nicht in Höhlen, sondern zwischen Pflanzen ab.

Alle Blaubarsche verschmähen Trockenfutter, sind aber mit Frostfutter oder Lebendfutter leicht zu ernähren.

Badis singenensis: das ist die kleinste Badis-Art, sie wird nur 4 cm lang. Als Anpassung an ihren natürlichen Lebensraum (Bäche) hat die Art die Schwimmblase reduziert und bewegt sich darum gerne hüpfend fort.

Badis blosyrus: diese Art ist sehr ähnlich zu B. assamensis und auch von Spezialisten kaum von jener Art zu unterscheiden. Sie bleibt aber etwas kleiner (6 cm) und ist eher orange (assamensis: tiefrot) gefärbt.

Badis tuivaiei: erstmals konnten wir diese langgestreckte, erst vor wenigen Jahren neu entdeckte Art importieren, die auf jeder Schuppe einen karminroten Tupfen hat. Auch sie stammt aus Nordindien. Größe bis 6 cm.

badis blosyrus
Quelle: Aquarium Glaser

badis tuivaiei
Quelle: Aquarium Glaser

unten links: Barbus rhomboocellatus

Diese Barbe aus Borneo, bei denen die Männchen einen hohen Rotanteil in der Färbung aufweisen, entsprechen in Pflege und Zucht der Fische der besser bekannten, eng verwandten Art Barbus pentazona (Fünfgürtelbarbe).

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

unten rechts: Chela cachius

Nur sehr selten kommt dieser hübsche Flugbärbling aus dem Norden Indiens nach Deutschland. Die Art wird rund 5 cm lang und ist ein friedlicher Schwarmfisch, der die oberen Wasserschichten belebt.

Sehr interessant ist die Färbung von Chela cachius. Bei ungünstiger Beleuchtung wirkt der Fisch wenig auffallend. Kommt das Licht von vorn, so reflektieren die silbrigen Schuppen und leuchten in allen Regenbogenfarben. Doch das ganz besondere an der Art ist die blaue Färbung, die die tieferen Hautschichten aufweisen. Schwimmt Chela cachius in einem gut beleuchteten Aquarium, so sind die Fische eine Augenweide, denn je nach Einfallswinkel des Lichtes schillern sie bunt oder erstrahlen in leuchtendem Blau.

Bezüglich der Pflege kann man das Tier gut mit dem Zebrabärbling (Danio rerio) oder der Prachtbarbe (Pethia conchonius) vergleichen, die in der Natur mit ihr zusammenleben. Die Wasserwerte sind von untergeordneter Bedeutung, die Temperatur kann zwischen 18 und 28°C liegen. Gefressen wird jegliches übliche Futter, doch nehmen es die Tiere nur von der Wasseroberfläche oder im Absinken auf. Vom Boden fressen Chela cachius nicht.

Lexikon: Chela: nach einer in Bengalen üblichen Bezeichnung für die Gattung. cachius: nach einer in Bengalen üblichen Bezeichnung für die Art.

Vorschlag eines deutschen Gebrauchsnamens: Himmelblaue Flugbarbe

 

Quelle:

Aquarium Glaser, Frank Schäfer

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