Zierfischhandel in Corona-Zeiten: Ohne Flüge kein Geschäft

Zierfischhandel in Corona-Zeiten: Ohne Flüge kein Geschäft

Hudson Crizanto Gonçalves betreibt ein Exportgeschäft in der Gegend von Fortaleza, an der Küste im Osten Brasiliens. Im Interview mit dem zza spricht er darüber, was die derzeitige Pandemie für ihn und sein Geschäft bedeutet. Er ordnet auch die Neuregulierung des Zierfischexports in Brasilien ein.

zza: Herr Gonçalves, können Sie kurz erklären, welche Fische Sie ins Ausland versenden?

Hudson Crizanto Gonçalves:

Ich habe mein Geschäft 1995 eröffnet und es seitdem ausgebaut. Ich arbeite mit Meerwasserfischen, die direkt an
der brasilianischen Küste gefangen werden, mit Diskusfischen aus Amazonien, Panzerwelsen, L-Welsen und einigen Arten seltener Salmler und seltener Welse in einem Nachzuchtprojekt.

Seit der Corona-Pandemie haben wir hier in Deutschland von verschiedenen Problemen beim Export von Zierfischen gehört. Können Sie kurz die wichtigsten Probleme nennen?

Wir waren mitten im jährlichen Hauptexportgeschäft. Als am 16. März einige Flughäfen schlossen und internationale Flüge abgesagt wurden, konnten wir nicht mehr liefern und mussten Bestellungen stornieren. Dazu kam, dass brasilianische Inlandsflüge ebenfalls stark reduziert waren und keine lebenden Fische transportierten. Wir halten und pflegen die Fische in unserer Anlage, machen Wasserwechsel, füttern, haben also Kosten, verdienen aber nichts und müssen die Löhne des Personals natürlich weiterbezahlen. Ich habe mehr als zehn Leute beschäftigt.

Was ist Ihrer Meinung nach am wichtigsten, um den Export von Zierfischen nach Europa wieder in Gang zu bringen?

Aus meiner Sicht ist es am wichtigsten, dass die regulären Flüge nach Europa wieder aufgenommen werden. Für mich sind die Flughäfen Fortaleza im Nordosten von Brasilien und natürlich São Paulo am wichtigsten. Ohne diese Flugverbindungen ist das Exportgeschäft schlichtweg eingestellt.

Zierfischhandel in Corona-Zeiten: Ohne Flüge kein Geschäft 1
Hudson Crizanto Gonçalves arbeitet seit 25 Jahren in Brasilien als Züchter und Händler von Zierfischen. Fotos: Gonçalves

Die frühere Exportliste der Naturschutzbehörde Brasiliens, der Ibama, wird durch eine neue Regulierung ersetzt. Wie ordnen Sie das ein?

Das ist die wichtigste Änderung der letzten 20 Jahre. Ich gehöre zu den Mitbegründern der Vereinigung brasilianischer Zierfischexporteure. Wir haben die Umweltbehörde von der Bedeutung
der Änderung der bisherigen Positivliste auf Basis der wissenschaftlichen Arbeit vieler brasilianischer Forscher überzeugt. Auf der Verbotsliste sind nun die von Wissenschaftlern renommierter Universitäten als gefährdet eingeschätzten Arten. Neu beschriebene Fische können nun angeboten und exportiert werden. Ich hoffe, der Zierfischexport kehrt zur Normalität zurück.

Was sind die wichtigsten Änderungen dieser neuen Regulierung?

Die Regulierung ersetzt die früheren Rechtsvorschriften und verringert auch die Bürokratie. Statt vieler Teilregulierungen und Papiere auch für Transporte innerhalb Brasiliens gibt es nun ein elektronisches Dokument, welches Informationen über Anzahl, Art, wissenschaftlichen Namen, Herkunft, Ziel und weiteres enthält. Auf dieses Dokument können alle Behörden zur Kontrolle zugreifen. Die zweitwichtigste Änderung ist die Anzahl der Arten, mit denen wir arbeiten können. Statt der vergleichsweise wenigen bisherigen Arten kommen Tausende neu dazu. Alle wissenschaftlich neuen Arten werden beschrieben und in ichthyologischen Sammlungen registriert. Erst danach werden wir in der Lage sein, diese neuen Arten zu verkaufen.

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