Aquascaping by Jurijs Jutjajevs

Man sieht sie immer öfter im Zoofachhandel, auf Messen und Börsen und natürlich bei vielen Aquarianern mit Stil und einem guten ästhetischen Empfinden, die besonders schön gestalteten Unterwassergärten. Die Spezialisten dafür nennen sich „Aquascaper“ und haben meist japanische Vorbilder. Aber auch in Europa hat sich eine Könnerszene entwickelt. Vorreiter waren neben den deutschen Aquascapern vor allem polnische und skandinavische.
Ich habe mir vorgenommen, an dieser Stelle und in folgenden Ausgaben des Aquaristik-Fachmagazins sehr unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten vorzustellen und dabei auch eine Anleitung zu geben, wie man es richtig macht, damit es wirklich gelingt. Denn Fantasie muss angeregt werden, aber man braucht auch eine solide handwerkliche Basis.

 

Der Bodengrund wird gut verteilt
Der Bodengrund wird gut verteilt

Und so möchte ich mit einem relativ kleinen Aquarium beginnen, das die Maße 60 x 30 x 36 cm aufweist. 60 und 36 cm sind im Verhältnis des Goldenen Schnitts gewählt, so wirkt das Aquarium ästhetisch ideal proportioniert. Beim Goldenen Schnitt ist die längere Seite vereinfacht gesagt 1,6 mal so lang wie die kürzere. Die Regeln des Goldenen Schnitts werden ebenfalls beim Einrichten des Aquariums verwendet. Deshalb ist eine gute Voraussetzung dafür bereits das Aquarienmaß. Als erstes wird eine Schicht ADA Powersand Special eingebracht (ca. 2 Liter). Das ist ein grober, stark feinporiger und mit Nährstoffen angereicherter Unterboden, der außerdem notwendige Starterbakterien und Stoffe zur Aktivierung des Wurzelwachstums beinhaltet. Seine poröse Struktur verhindert zu starkes Verdichten des Bodengrundes und verbessert langfristig die Zirkulation im Bodengrund. Wegen der geringen Bodengrundtiefe im vorderen Bereich verwendet man dort ADA Aquasoil Amazonia. Das ist ein spezieller Bodengrund, der aus ausgewählten Erden gebrannt wird. Er ist reichhaltig an Nährstoffen und bietet mit seiner porösen Struktur eine riesige  Ansiedlungsfläche für aktive Bakterien und trägt so zur Filterung bei. Anschließend wird das übrige Substrat ins Aquarium eingebracht. In einem 60 x 30 x 36 cm Aquarium verwendet man ca. 6 Liter. Um den Behälter optisch tiefer wirken zu lassen, wird das Substrat hinten bis zu dreimal so hoch aufgehäuft als vorn. In unserem Beispiel sind es vorn 3 und hinten 9 cm. Ist das Bodengrundrelief fertiggestellt, schließt eine Schicht Aquasoil Powder alles nach oben ab.

 

Das Hardscape besteht hier aus Steinen und einer Wurzel
Das Hardscape besteht hier aus Steinen und einer Wurzel

Jetzt folgt das so genannte Hardscape. Dabei entsteht das starre, weitgehend unveränderliche Skelett eines Aquariums. Es kann aus Steinen, Wurzeln oder beidem bestehen. Wichtig ist, stets nur eine Sorte des jeweiligen Materials zu verwenden, dann wirkt das Aquarium am natürlichsten. In unserem Beispiel verwenden wir Manzi Wood und Seriyu Stones. Der Aufbau entspricht einer konvexen Form, hier werden das Hardscape und groß werdende Pflanzen mittig angeordnet, so dass ringsum freier Schwimmraum bleibt. Nach dem Goldenem Schnitt ist der Fokus von der Mitte leicht nach rechts verschoben und wird später durch eine rote Pflanze akzentuiert. Das Einsetzen der Pflanzen gelingt am leichtesten, wenn der Bodengrund gut angefeuchtet wird, das Wasser aber nicht übersteht. Alternativ kann auch gleich in den trockenen Bodengrund gepflanzt werden, dabei sollte man sich aber beeilen, da die Pflanzen sonst austrocknen.

die Pflanzen werden eingesetzt
die Pflanzen werden eingesetzt

Den Anfang macht Hemianthus callitrichoides ‘Cuba’, kurz HC genannt. HC ist mit ihren 1 bis 2 mm kleinen Blättchen eine der kleinsten Aquarienpflanzen. Zum Einsetzen werden die Tröpfchen in jeweils vier Portionen geteilt und mit einem etwa 1 x 1 cm großem Stück Steinwolle als Anker gepflanzt (für unser Beispiel insgesamt zehn Töpfchen). Als nächstes folgt Staurogyne repens; das ist zwar eine Stängelpflanze, sie bildet aber dichte Büsche und wächst sogar kriechend, wenn sie regelmäßig geschnitten und kurz gehalten wird – also eine ideale Pflanze für den mittleren Bereich, um Übergänge zu schaffen und Lücken zu füllen. Bei ihr und bei allen weiteren Pflanzen wird die Steinwolle mit einer kleinen Pinzette möglichst vollständig entfernt und die Reste abgespült (fünf Töpfchen). Pogostemon helferi wächst ähnlich wie Staurogyne repens, bleibt aber insgesamt niedriger und entwickelt weniger Seitentriebe. Dank seiner außergewöhnlichen Blattform bildet Pogostemon helferi einen schönen Kontrast zu den meisten Pflanzen und wird auch in diesem Aquarium verwendet (fünf Töpfchen). Um dem HC-Rasen einen durchwachsenen Eindruck zu verleihen, wird er häufig mit anderen bodendeckenden Arten kombiniert. In diesem Fall soll es die kleine Nadelsimse Eleocharis parvula sein. Ihre nadelartigen Blättchen lockern das Bild auf angenehme Weise auf. Man setzt sie in kleine Portionen überall ein, um die Steine dazwischen scheinbar zufällig verstreut erscheinen zu lassen (fünf Töpfchen). Um die Lücken zwischen den Steinen in den oberen Regionen des Aufbaus zu schließen, verwenden wir Anubias nana ‘Petite’ (auch ‘Bonsai’ genannt). Diese Pflanze kommt aus  schnellfließenden Gewässern und wächst mit Haftwurzeln auf Steinen oder mit ins Wasser ragenden Wurzeln. Die kleinen Pflänzchen befreit man aus der Steinwolle und steckt sie einfach in die Lücken zwischen Steinen und Wurzeln. Niemals sollte man die Wurzeln in den Bodengrund stecken, das führt zum Absterben dieser Pflanzen (fünf Töpfchen). Hydrocotyle tripartita ist eine aquaristisch relativ neue Art und findet ebenfalls Platz beiderseits hinter den Steinen. Diese Regenschirmpflanze ist eine der kleinsten ihrer Art und wächst kriechend über den Boden. Wenn sie dort aber keinen Halt findet, dann entwickelt sie ihre Triebe in die Höhe und

Hier und da werden Akzente gesetzt
Hier und da werden Akzente gesetzt

bildet dabei schöne Büsche. Das Wachstum erfolgt rasend schnell, deshalb reicht hier eine geringe Ausgangsmenge (ein Töpfchen). Kaum sichtbar sind die Cryptocoryne wendtii ‘Braun’ und ‘Mi Oya’, die hinten mittig gesetzt wurden, weil vor dem Einbringen die Blätter komplett entfernt wurden. Cryptocoryne-Blätter lösen sich oft auf nach dem Einpflanzen ins Aquarium, besonders dann, wenn die Pflanzen aus einer emersen Kultur stammen, außerdem wird so von Anfang an ein kompakter Wuchs erreicht (jeweils fünf Töpfchen). Um den bereits eingangs erwähnten roten Akzent zu setzen, positioniert man hinter den Wurzeln, von der Mitte nach rechts versetzt, Aponogeton crispus ‘Red’. Diese Pflanze kann sehr groß werden, sieht aber wunderschön aus, wenn ihre roten Blätter auf der Oberfläche treiben. Wenn diese zu groß werden, schneidet man sie einfach wie bei den Cryptocorynen ab, so gewinnt man wieder einige Monate Zeit bis zum nächsten Beschnitt. Weil es sich hierbei um eine Unterwasserpflanze handelt, muss spätestens jetzt während des Einpflanzens gesprüht werden, um die Blätter stets erneut mit Wasser zu benetzen (ein Töpfchen). Zum Schluss setzt man Christmas-Moos, Vesicularia montagnei, auf die Spitzen der Wurzeln, um ihnen Patina zu verleihen. Man bindet das Moos mit ADA Moss Cotton fest, das sich nach etwa vier Wochen von allein auflöst.

Das befüllte Becken - Fertig!
Das befüllte Becken – Fertig!

Jetzt ist die Gestaltung fertig und das Aquarium kann mit Wasser gefüllt werden. Dabei geht man am besten wie folgt vor: Zuerst füllt man das komplette Aquarium mit zusammengeknülltem Zeitungspapier bis oben hin. An schließend wird vorsichtig das Wasser eingefüllt. Dabei sollte die gesamte Fläche genutzt werden, damit das Wasser gleichmäßig nach unten durchsickert. Danach entfernt man das Zeitungspapier, sollte es aber nicht über dem Aquarium ausdrücken. Schließlich können Filter und übrige Technik angeschlossen werden – und fertig ist das Inselscape. Das letzte Foto der hier abgebildeten Reihe ist nach nur vier Wochen entstanden. In dieser Zeit wurden anfangs jeden zweiten, später jeden dritten Tag und schließlich zweimal pro Woche 50% des Wassers gewechselt. Das Aquarium wurde täglich mit Brighty K und den Düngern Step 1 und 2 von ADA gedüngt. CO2 war  eingestellt auf zwei Bläschen pro Sekunde und wurde mit einem Magnetventil an die Beleuchtungsdauer von anfänglich sechs, später acht und schließlich zehn Stunden pro Tag gekoppelt. Wenige Tage nach dem Foto wurde das HC von einer Gesamthöhe von ca. 4 bis auf 1 cm heruntergeschnitten.

Aquascape9
Quelle: Juris Jutjajevs, Aquaristik Fachmagazin, Ausgabe 227

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