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Elternzeit bei Buntbarschen: Von aufopfernden Müttern, fürsorglichen Vätern und wachsamen Eltern

Foto: FLH. - Skalare, eine der beliebtesten Arten für Aquaristikanfänger, gehören auch zu den Buntbarschen.
Foto: FLH. – Skalare, eine der beliebtesten Arten für Aquaristikanfänger, gehören auch zu den Buntbarschen.

„Fische legen Eier!“ Das ist die Antwort, die aufgeweckte Kinder schon im Kindergartenalter auf die Frage geben, wie sich Fische vermehren. Dass einige Arten eine aufwändige Brutfürsorge betreiben und vorbildliche Eltern sind, wissen nur wenige. Verschwinden Eier oder kleine Jungfische im Maul eines ausgewachsenen Fisches, hören Aquarianer aufgeregte Kommentare wie: „Oh wie schrecklich! Der frisst ja die ganzen Jungen auf.“ Oft ist diese Sorge unbegründet, denn häufig stehen die Betrachter dann vor einem Becken, in dem Buntbarsche sich gerade vorbildlich um ihren Nachwuchs kümmern. Buntbarsche, auch Cichliden genannt, gehören aufgrund ihrer enormen Artenvielfalt, ihrer prächtigen, strahlenden Farben und ihres interessanten Sozialverhaltens seit mehreren Jahrzehnten zu den beliebtesten Aquarienfischen.

 

Unendliche Vielfalt in tropischen Süßgewässern

In der großen Familie der Cichliden gibt es über 1.800 verschiedene Arten. Sie sind auf der ganzen Welt in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatet, von Süd- und Mittelamerika über Afrika, bis nach Asien, und sie haben die unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Manche werden nur wenige Zentimeter klein, andere werden über einen halben Meter lang. Ihr Körper kann seitlich zusammengedrückt und platt wie eine Scheibe sein, aber auch rundlich oder stromlinienförmig gestreckt. So, wie es für den jeweiligen Lebensraum am besten geeignet ist.

Auch bei ihrer Ernährung greifen die Cichliden auf sehr verschiedene Quellen zurück. Raubfische, auch Beutegreifer genannt, greifen sich mit ihrem   vorgeschobenen Kiefer kleinere Beutetiere im Wasser oder fischen sie geschickt aus Spalten und Höhlen heraus. Einige Buntbarsche knacken die Schalen von Muscheln und Schnecken und ernähren sich ausschließlich von diesen Weichtieren, während andere als reine Vegetarier Blätter, Steine und Felsen abweiden. Daneben gibt es auch den Allesfresser, der von der Insektenlarve über Kleinkrebse und Fischchen alles nimmt oder sich von abgestorbenen Tier- und Pflanzenresten ernährt.

 

Foto: FLH. - Die Diskusfische stammen ursprünglich aus dem Amazonas in Südamerika.
Foto: FLH. – Die Diskusfische stammen ursprünglich aus dem Amazonas in Südamerika.

Verteidiger der Laichgründe

Am spannendsten sind das Balz- und Laichverhalten der Cichliden und ihre außergewöhnliche Aufzucht der Jungen. Dabei unterscheiden die Experten Offenbrüter, Versteckbrüter und Maulbrüter. Viele Arten vermehren sich auch im Aquarium relativ leicht, wenn man ihren Lebensansprüchen gerecht wird.

Bei den meisten Arten sind die Männchen territorial und besetzen während der Laichzeit ein Revier. Oft behalten sie es auch ihr Leben lang und verteidigen es erbittert gegen Nebenbuhler und Konkurrenten. Hierbei kann es zu heftigen Kämpfen kommen, bei denen sich die männlichen Fische gegenseitig kraftvoll rammen oder mit den Mäulern verbeißen. Ist das Revier abgesteckt, beginnt der männliche Buntbarsch ausdauernd mit den Paarungsvorbereitungen und der Balz.

Viele paarungswillige Männchen versuchen mit allerlei Fächelbewegungen ihres Körpers die Aufmerksamkeit der Weibchen zu gewinnen, manchmal sieht es wie ein starkes Zittern aus. Oder sie verbiegen ihre Schwanzflosse und machen eine Art Verrenkung vor der Angebeteten. Außerdem zeigen sie sich in den schönsten Farben. Bei den Rotbrust-Tüpfelbuntbarschen Laetacara dorsigera färben sich Kehle und Brustpartie leuchtend rot und wenn das Weibchen bei der Balz heftig mit dem Kopf schüttelt, ist das kein abweisendes Zeichen, sondern eine wohlwollende Zustimmung. Hat sich das Paar gefunden, laichen diese Offenbrüter auf glatten Unterlagen wie Steinen, die sie zuvor selber gründlich mit ihren Lippen gereinigt haben. Ein Gelege kann 300 Eier umfassen. Nach dem Schlüpfen kümmern sich beide Eltern weiter um die Brut.

Bei den meisten Augenfleckbuntbarschen, den Heros-Arten, schwimmt das Männchen das Weibchen immer wieder an und zeigt ihr jetzt, je nach Art, seinen gelborangen Bauch und die leuchtend gelb gefärbten Bauchflossen. Ist das Weibchen überzeugt, verändert es ebenfalls seine Farbe und frisch gefundene Paare messen ihre Kräfte im „Maulzerren“. Augenfleckbuntbarsche sind typische Offenbrüter, die ihre Gelege an festen Substraten wie Wurzeln, Felsen oder Steinen, anheften. Die ablegten Eier werden sofort vom Männchen besamt und das Gelege wird von beiden Elternfischen betreut, verteidigt und mit Frischwasser befächelt. Nach drei bis vier Tagen schlüpfen die Larven, die Eltern kauen die Eihüllen ab und spucken ihre Jungen in eine vorbereitete Grube am Boden.

Skalare, wegen ihrer majestätischen Art einer der beliebtesten Cichliden, laichen auf den Blättern von Unterwasserpflanzen, die sie vorher von Algen gesäubert haben. Der Laich der Offenbrüter wird von beiden Eltern gepflegt, die geschlüpften Jungen werden von ihren Eltern auch nach den ersten Schwimmversuchen noch einige Tage geführt und beschützt. Dieses Verhalten kann man auch schön bei den beliebten Hemichromis Arten sehen, die ihre Jungtiere sehr klar führen und bis zu einer Größe von drei Zentimetern begleiten.

 

Die Kinderstube der Versteckbrüter

Foto: FLH. - Diskusfische sollten in Gruppen von mindestens sechs bis acht Exemplaren gehalten werden.
Foto: FLH. – Diskusfische sollten in Gruppen von mindestens sechs bis acht Exemplaren gehalten werden.

Die Versteck- oder Höhlenbrüter suchen sich kleine Höhlen oder Vertiefungen in Felsen oder Felsspalten. Arten der Gattung Apistogramma oder Nanochromis sind Versteckbrüter. Die Weibchen versorgen die Eier und die Larven, während das Männchen vor der Bruthöhle patrouilliert und sie auch gegen größere Eindringlinge verteidigt. Wenn sich die Jungfische ein paar Tage später frei schwimmen, werden sie von beiden Elternteilen beschützt.

Besonders eindrucksvoll sind die afrikanischen Schneckenbuntbarsche Neolamprologus, die gezielt nach leeren Schneckenhäusern suchen und hier ihre Eigenheime errichten. Sowohl Männchen als auch Weibchen besitzen ihr eigenes Häuschen. Nach dem Laichen wird das Schneckenhaus des Weibchens zur Kinderstube umfunktioniert, das Männchen stattet zur Besamung nur einen kurzen Besuch ab. Die frisch geschlüpften Jungen verteilen sich auf die beiden Schneckenhäuser der Eltern und dürfen hier bleiben, bis ein neues Gelege erwartet wird. Dann wird es Zeit, ein eigenes Schneckenhaus zu beziehen oder sich erst einmal mit einer Felsspalte als Unterschlupf zufrieden zu geben.

 

Foto: FLH. - Fürsorglich: Der Aulonocara trägt seinen Nachwuchs bis zu drei Wochen in seinem Maul, in diesem Zeitraum hungert er.
Foto: FLH. – Fürsorglich: Der Aulonocara trägt seinen Nachwuchs bis zu drei Wochen in seinem Maul, in diesem Zeitraum hungert er.

Nachwuchs unter Verschluss: die Maulbrüter

Die spektakulärste Art der Brutpflege betreiben die Maulbrüter, zu denen viele Buntbarscharten der afrikanischen Seen gehören. Bei den meisten Arten, wie dem blauen Heringsbuntbarsch Cyprichromis leptosoma, dem Buckelkopfbuntbarsch Cyphotilapia frontosa oder den Tropheus Arten nimmt das Weibchen direkt nach dem Ablaichen die Eier ins Maul und schwimmt zur männlichen Geschlechtsöffnung. Hier lässt sie sich das Sperma ins Maul fließen und brütet anschließend die befruchteten Eier in ihrem Maul aus. Klar, dass Maulbrüter kleinere Gelege von nur zehn bis 20 gut geschützten Eiern haben und nicht mehrere hundert, wie Offenbrüter. Einige aufopfernde Fischmütter, beispielsweise die Kaiserbuntbarsche der Arten Aulonocara, tragen ihren Nachwuchs drei Wochen lang im Maul und nehmen während dieser Zeit keine Nahrung zu sich.

Oft werden auch die frischgeschlüpften Jungen noch weiter im Maul der Mütter beschützt. Vorsichtig entlässt sie die Kleinen immer wieder ins ruhige Wasser. Beide Eltern führen den kleinen Schwarm, einer vorn und einer hinten oder halten ihre Familie rechts und links flanierend zusammen. Droht Gefahr, saugen die Mütter, oft auch die Väter, ihre Jungen wieder ein und halten sie unter Verschluss bis die Gefahr vorüber ist. Erst dann werden sie wieder zurück ins freie Wasser gespuckt.

Roland Zobel, von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e.V. hält die auffällig gefärbten Cichliden für eine Bereicherung in jedem Aquarium: „Buntbarsche lassen sich hervorragend halten, unabhängig davon, ob sie mit anderen Fischen vergesellschaftet werden oder ob man ein reines Buntbarschbecken bevorzugt. Allerdings sollte bei der Einrichtung auf die Ansprüche der Fische geachtet werden.“ Da es aber genügsame und anspruchsvolle Arten gibt, haben alle Aquarianer die Möglichkeit, das außergewöhnliche Balz- und Paarungsverhalten von Buntbarschen zu studieren und den Elternfischen bei der Aufzucht der Jungen über die Flosse zu schauen.

 

Quelle: FLH

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