Faszination Aquaristik: Garnelen erfolgreich vermehren – Die 3 Fortpflanzungsstrategien im Überblick
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Die Zucht von Zwerggarnelen zählt zu den spannendsten Bereichen der modernen Aquaristik. Dennoch erleben viele Halter eine Überraschung: Während sich beliebte Arten wie Red Fire oder Bienengarnelen im bepflanzten Becken rasch vermehren, bleibt der Nachwuchs bei Amanogarnelen oder Fächergarnelen im reinen Süßwasser aus.
Der evolutionäre Schlüssel liegt in den natürlichen Fließgewässern der Herkunftsländer und den dort entstandenen Vermehrungsmechanismen. Dieser Fachbeitrag aus dem Partnermagazin Caridina des Dähne Verlags analysiert die drei biologischen Fortpflanzungsstrategien und erläutert praxisnah, welche Bedingungen für eine erfolgreiche Jungtieraufzucht erfüllt sein müssen.
Die Eier werden von den Weibchen hingebungsvoll mit Frischwasser befächelt, sortiert und geputzt. Foto: Chris Lukhaup
Die Fortpflanzungstypen bei Garnelen
Bei den Zwerggarnelen in der Aquaristik unterscheiden wir drei unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien. Das Ziel ist in der Natur immer mindestens der Populationserhalt, und günstigerweise eine Vergrößerung der Population. Auf welchen Wegen Garnelen dieses Ziel erreichen, ist ziemlich spannend, unterschiedliche Arten verfolgen hier nämlich verschiedene Ansätze.
Selbst in den viel kleineren Eiern der Amanogarnele erkennt man die Augen der Larven kurz vor dem Schlüpfen. Foto: Chris Lukhaup
Primitiver Fortpflanzungstyp
Hier gilt ganz klar: „Masse vor Klasse“. Die Garnelenweibchen des primitiven Fortpflanzungstypus (auf Englisch: prolonged type, also verlängerter Typus) heften hunderte bis tausende sehr kleiner Eier an ihren Schwimmbeinen fest, in denen sich Larven entwickeln. Sie können nach dem Schlupf einige wenige Tage im Süßwasser überleben, ihre weitere Entwicklung hängt jedoch davon ab, dass sie von der Strömung des Baches oder Flusses ins Meer getrieben werden.
Im Brackwasser bis Salzwasser wachsen die Garnelenlarven dann über unterschiedliche Zoea-Larvenstadien heran und wandern nach der letzten Larvenhäutung und der Metamorphose zur Junggarnele dann ins Süßwasser zurück – jedoch nicht notwendigerweise in den Bach oder Fluss, aus dem sie ursprünglich kamen. Diese Garnelen haben deshalb in der Natur häufig eine sehr weite Verbreitung. Im Aquarium ist die Vermehrung sehr schwierig. Die Larven müssen in ein separates Aquarium überführt werden, in dem dann auf Brackwasser bis Salzwasser aufgesalzen wird.
Zu diesen Garnelen gehören die Amanogarnele (Caridina multidentata), neben anderen Fächergarnelen auch die Molukken-Fächergarnele (Atyopsis moluccensis) und die Monsterfächergarnele (Atya gabonensis), verschiedene Großarmgarnelen und auch eher seltener gehaltene Zwerggarnelen wie beispielsweise die Ninjagarnele.
Große, wenige Eier an den Schwimmbeinen einer Red Bee des spezialisierten Fortpflanzungstyps. Foto: Chris Lukhaup
Spezialisierter Fortpflanzungstyp
Hier wird das umgekehrte Motto „Klasse statt Masse“ gepflegt. Der Nachwuchs dieser Garnelen durchläuft bereits im Ei sämtliche Larvenstadien, sodass am Ende der Tragezeit Junggarnelen schlüpfen, die ihren Elterntieren fast wie ein Ei dem anderen gleichen. Auf Englisch heißt dieser Typus „abbreviated type“, was sich als abgekürzter Typus übersetzen ließe. Nach einer oder zwei Häutungen gibt es bis auf die Größe und eventuell die Ausfärbung keine von außen deutlich sichtbaren Unterschiede mehr. Die weit entwickelten Jungtiere haben eine deutlich höhere Überlebenschance als die Larven des primitiven Fortpflanzungstypus. Die Eizahlen bei den Weibchen des spezialisierten Typs liegen meist im unteren zweistelligen Bereich. Die Jungtiere sind im Süßwasser lebensfähig und müssen ihren Standort daher nicht wechseln.
Viele Arten des spezialisierten Typus haben nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet. Zu den in der Aquaristik bekanntesten Zwerggarnelen mit dieser Fortpflanzungsweise gehören die Arten aus der Gruppe um Caridina serrata, also zum Beispiel die Bienengarnele, die verschiedenen Tigergarnelen und daneben noch sämtliche Neocaridina-Arten und -Varianten, die Sulawesi-Garnelen aus dem Alten Seen und teils auch aus den Flüssen und einige mehr.
Typisch für den teilweise spezialisierten Typus sind die kleineren Eier bei dieser Malaya-Garnele (Caridina cf. babaulti „Malaya). Foto: Chris Lukhaup
Teilweise spezialisierter Fortpflanzungstyp
Diese Garnelen tragen zwar kleinere Eier als die des spezialisierten Typs, jedoch weniger als die des primitiven Typs. Aus ihnen schlüpfen Larven, die weiter entwickelt sind und nur wenige Häutungen bis zur Junggarnele brauchen. Sie können im Süßwasser überleben.
Dem auf Englisch „partially abbreviated type“ genannten teilweise spezialisierten Typus gehören nur wenige Ziergarnelen vorwiegend aus dem Formenkreis um Caridina babaulti an, zum Beispiel die Grüne Zwerggarnele, Caridina cf. babaulti „Stripes“ oder die Malayagarnele.
Die Weibchen kleinerer Garnelenarten tragen tendenziell weniger Eier. Foto: Chris Lukhaup Bei eher durchsichtigen Garnelen sieht man die Eier an den Schwimmbeinen der Weibchen am besten. Foto: Chris Lukhaup
Tragezeit und Eianzahl
Wie lange die Tragezeit bei Garnelen ist, hängt vorwiegend von der Wassertemperatur ab. Alle Angaben können daher immer nur Richtwerte sein. Neocaridina davidi „Red Fire“ tragen beispielsweise bei 20 °C durchschnittlich 32 Tage, bei 26 °C nur noch 28 Tage lang ihre Eier unter dem Hinterleib. (Quelle: ResearchGate-Studie)
Dieser Leitfaden richtet sich an Aquarienbesitzer, die gezielt Garnelennachwuchs aufziehen oder verstehen möchten, warum sich bestimmte Arten im Aquarium nicht vermehren. Der biologische Hauptunterschied liegt in den Vermehrungsstrategien: Während spezialisierte Garnelenarten fertige Miniaturgarnelen direkt im Süßwasser entlassen, durchlaufen Arten des primitiven Fortpflanzungstyps winzige Larvenstadien, die zwingend auf Brack- und Meerwasser angewiesen sind. Als wesentlicher Zuchtfaktor beeinflusst zudem die Wassertemperatur die Entwicklungsdauer der Eier unter dem Hinterleib der Weibchen, welche sich bei wärmeren Bedingungen messbar um mehrere Tage verkürzt. Halter erhalten damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die gezielte Artenauswahl im Aquarium – von der unkomplizierten Nachzucht robuster Neocaridina-Arten bis hin zur anspruchsvollen Brackwasseraufzucht bei Amanogarnelen.
Die Wahl der richtigen Garnelenart entscheidet grundlegend darüber, ob die Zucht im klassischen Süßwasseraquarium unkompliziert gelingt oder ob wie bei Amanogarnelen ein spezialisiertes Brackwasser-Aufzuchtbecken für die Zoea-Larven zwingend erforderlich ist. Für die Aquarienpraxis bieten spezialisierte Arten wie Neocaridina oder Caridina serrata den einfachsten Einstieg, da die Jungtiere bereits fertig entwickelt im Elternbecken schlüpfen. Halter können den Zuchtverlauf zudem gezielt unterstützen, indem sie über eine moderate Anpassung der Wassertemperatur die Tragezeit der eiertragenden Weibchen optimieren.
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
Was bietet das Magazin?
Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)
Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
Verlagsangebot im Überblick:
Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
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Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
Eine große Auswahl an Büchern (über 90 Titel) zu Aquaristik, Garten, Teich- und Terraristik
Weitere Publikationen wie Einkaufsführer, Adressverzeichnisse und mehr
Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.
Ulli Bauer ist eine renommierte Aquarianerin und Fachautorin, die sich seit vielen Jahren intensiv mit der Pflege und Zucht von Süßwasserarten beschäftigt. Sie verfügt über umfangreiche praktische Erfahrung im Bereich der Aquaristik und ist bekannt für ihre fundierten Fachbeiträge in verschiedenen Fachmagazinen wie „Caridina“ und „Aquaristik“. Ulli engagiert sich zudem in der Aquaristik-Community, hält Vorträge und Workshops, um ihr Wissen weiterzugeben, und ist stets bestrebt, neue Arten und Zuchtmethoden zu erforschen und zu dokumentieren. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch fundierte Recherche, praktische Anleitungen und eine große Leidenschaft für die Aquaristik aus.