Fische reagieren auf immer wiederkehrende Geräusche und Töne und erkennen oftmals die Person, die sie hauptsächlich füttert, an ihrem Schritt. Sicherlich stellen auch Sie oft fest, dass Ihre Fische neugierig nach vorne zur Aquarienscheibe schwimmen, wenn Sie den Raum betreten oder die Tür des Aquarienschranks öffnen. Die Sinneswahrnehmung bei Fischen ist ein spannendes Thema, zumal einige Arten sogar einen sechsten Sinn besitzen.

Fische haben all ihre Sinne beisammen

Quelle: Tetra.de
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Schon vor über 2.300 Jahren definierte der Naturphilosoph Aristoteles die fünf Sinne beim Menschen: Der Tastsinn wird über in der Haut liegende Rezeptoren (Empfänger) gesteuert, hiermit werden Berührungen wahrgenommen. Die Sinnesorgane des Schmeckens – wie die Geschmacksknospen – machen den Geschmackssinn aus. Wie auch der Geruchssinn bezeichnet er die Fähigkeit, chemische Substanzen zu erkennen. Sogenannte Chemorezeptoren im Riechorgan können Geruchsmoleküle wahrnehmen. Für den Gehörsinn sind Sinnesorgane zuständig, die durch Schwingungen stimuliert werden. Jedoch müssen zur akustischen Wahrnehmung von Schallwellen nicht zwangsweise äußere „Ohren“ vorhanden sein. Insbesondere Vibrationen können auch durch Sinnesorgane in anderen Körperteilen erfasst werden. Der Sehsinn bezeichnet die Aufnahme und Verarbeitung visueller Reize.

Gerade der letztgenannte Sinn ist bei den Fischen nicht besonders gut entwickelt, Fische sind von Natur aus kurzsichtig. Was bedeutet das? Die Augenlinse der Fische ist kugelig und starr, wodurch sie sich von der eines Menschen unterscheidet. Um Objekte in unterschiedlichen Entfernungen zu erkennen, verändert unsere Augenlinse ihre Form. Fische hingegen ziehen mit einem Muskel die gesamte Linse in das Auge zurück. Diese Art der Fokussierung ist sehr ungenau, daher können Fische nur bis zu einem Meter scharf sehen. Die verhältnismäßig schlechte Ausprägung des Sehsinns bei Fischen ist aber kein Fehler der Natur, sondern u.a. auf den natürlichen Lebensraum der Tiere zurückzuführen. Viele Gewässer, in denen unsere bekannten Aquarienfische leben, sind ohnehin sehr trüb, so dass eine bessere Sehkraft keinen Sinn machen würde. Und je tiefer die Fische in ihren Gewässern leben, desto weniger Licht kommt an. Daher haben einige in der Tiefsee lebende Arten wie Beilfische sehr große Augen, um mit dem wenigen Restlicht noch etwas erkennen zu können.

 

Quelle: Tetra.de
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Fische haben Geschmack, wobei der Geschmacks- und der Geruchssinn eng miteinander verbunden sind. Die Fische besitzen vier kleine Nasenlöcher in Augennähe, die mit über einer Million Nervenenden pro Quadratzentimeter ausgekleidet sind. Ferner können sich wie bei Welsen sogenannte Sinnesknospen auf der ganzen Haut verteilen, so dass schon geringste Spuren an gelösten Stoffen im Wasser wahrgenommen werden.

Stille unter Wasser?

Unter Wasser ist es lautlos? Ganz bestimmt nicht! Dort herrscht ein ordentlicher Geräuschpegel: Zähne knirschen, Luft wird ausgestoßen oder Flossenstrahlen werden aneinander gerieben. Gerade Fische, die Laute abgeben, besitzen einen guten Gehörsinn. So werden Geräusche, die z.B. bei der Balz eine große Rolle spielen oder Konkurrenten abschrecken sollen, von kleinen flüssigkeitsgefüllten Röhrchen hinter den Augen aufgenommen. Die darin befindlichen Gehörsteinchen aus Kalk schwingen mit und feine Sinneszellen leiten diese Informationen an das Gehirn weiter.

Quelle: Tetra.de
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Das Seitenliniensystem – Hauptsinnesorgan der Fische

Auch über das Seitenliniensystem werden Töne wahrgenommen. Hierbei handelt es sich um das Hauptsinnesorgan der Fische. Nicht nur Töne, sondern auch Erschütterungen und Strömungen werden erkannt. Daher wird das Seitenliniensystem auch als Ferntastsinnesorgan bezeichnet. Während die Barteln und die gesamte Hautoberfläche der Fische mit Mechanorezeptoren ausgestattet sind und bei Berührung reagieren, hat das Seitenlinienorgan keinen Kontakt zu den Objekten. Es befindet sich seitlich unter der Haut und ist eine mit Schleim gefüllte Röhre, die über kleine Poren mit der Außenwelt verbunden ist. Feine Haarsinneszellen in diesem System nehmen die Bewegungen des Wassers wahr. Dieses besitzt physikalisch gesehen eine höhere Dichte als die Luft. Fische führen bildlich gesehen eine Bugwelle vor sich her. Trifft diese auf ein Hindernis, wird sie zum Seitenlinienorgan zurückgeworfen. Hiermit können die Fische die Größe, Entfernung und Form eines Hindernisses feststellen.

Der sechste Sinn

Quelle: Tetra.de
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Einige Fische besitzen sogar einen sechsten Sinn. Die elektrischen Organe, die hierfür verantwortlich sind, lassen sich am ehesten mit der Echolot-Orientierung der Fledermäuse vergleichen. Während diese allerdings Ultraschall aussenden, senden Fische ein elektrisches Feld aus und empfangen es auch wieder, um es z.B. zum Erkennen von Hindernissen zu nutzen. Aber wie genau funktioniert das elektrische Feld? Muskeln und Nerven erzeugen in jedem Lebewesen sogenannte Membranpotenziale, mit denen sich kleine Spannungen erzeugen lassen. Diese Tatsache ist bei den „elektrischen“ Fischen sehr ausgeprägt. Die sehr empfindlichen Rezeptoren befinden sich über den ganzen Körper verteilt, vorzugsweise in der Kopfregion. Jedoch erzeugen verschiedene Arten unterschiedliche Spannungen: Zitterrochen sind starkelektrisch und erzeugen Spannungen zwischen 20 und 600 Volt. Ihre Entladungen dienen der Lähmung ihrer vorbeischwimmenden Beute. Süßwasserfische wie Nilhechte und die Familie der Messeraale sind dagegen schwachelektrisch, ihre Spannungen betragen 0,1 bis 25 Volt. Die schwachelektrischen Felder dienen zur Orientierung im Raum. Die Fische können zwischen leitenden und nichtleitenden Hindernissen unterscheiden sowie Lage, Größe, Bewegung und Bewegungsrichtung der Objekte bestimmen. Die elektrischen Organe sind übrigens als eine Anpassung an die Umweltbedingungen zu verstehen, in denen die Fische leben. Meistens halten sie sich in trüben Gewässern auf, so dass ein elektrisches Feld im leitenden Medium Wasser hier zur Orientierung am günstigsten erscheint.

 

Mal abgesehen von diesem sechsten Sinn gibt es sicher viele Möglichkeiten, als Aquarianer mit den Zierfischen zu kommunizieren. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, die tägliche Fütterung mit bestimmten Geräuschen zu verbinden und so ein Kommunikationsritual zwischen Ihnen und Ihren Fischen zu entwickeln?! Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Freude und Erfolg dabei!

Quelle: Tetra.de

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Snake65

Super Bericht, einfach erklärt.
DANKE

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