Raritäten & Neuimporte im Fokus 304

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

oben links: „Cichlasoma“ loisellei
In ihrer mittelamerikanischen Heimat werden die räuberischen Buntbarsche, die man gegenwärtig in der Gattung Parachromis einordnet – davor wurden sie zu Cichlasoma oder Nandopsis gestellt – als „Guapotes“ bezeichnet. Das bedeutet „die großen Hübschen“. Und tasächlich sind diese Arten, von denen einige bis zu 50 cm Länge erreichen können, sehr attraktiv.
Der kleinste von ihnen wurde bislang als Parachromis loisellei bezeichnet. Er wird „nur“ 25-30 cm lang und auch das nur die Männchen und in Ausnahmefällen. Gewöhnlich kann man man mit Größen bis 20 cm rechnen, geschlechtsreif werden sie mit 10 cm.
Besonders P. loisellei gilt zudem als friedlichste Art, die im Gegensatz zu einigen Gattungsgenossen lediglich „pampig“ wird, wenn die Tiere sich belästigt fühlen. Ein großes Aquarium ist aber dennoch Grundvoraussetzung, dass Fische und Aquarianer uneingeschränkt Freude aneinander haben.
Erst 2018 stellte sich bei der Nachuntersuchung des Typusexemplares von P. friedrichsthalii, einer bereits 1840 beschriebenen Art, heraus, dass dieses Exemplar tatsächlich mit dem erst 1989 beschriebenen P. loisellei identisch ist. Dadurch wurde P. loisellei zum Synonym von P. friedrichsthalii. Der bisher als P. friedrichsthalii im Hobby verbreitete Fisch ist wiederum eine andere Art, die nun P. multifasciatus heißt. Die genauen Hintergründe kann man hier nachlesen:
Morgenstern, R. (2018): Fishes collected by Emanuel Ritter von Friedrichsthal in Central America between 1838–1841. Vertebrate Zoology v. 68 (no. 3): 253-267.

oben rechts: Trigonostigma heteromorpha Wild
Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass es nicht nur eine Keilfleckbarbe gibt, sondern mehrere, einander ähnliche Formen, die wissenschaftlich noch bearbeitet werden müssen. Auffällig wird das, wenn man Wildfänge sieht.
Die Tiere auf den Fotos sind wunderschöne Wildfänge aus Süd-Thailand. Von „normalen“ Keilfleckbarben weichen sie farblich deutlich ab: ein blauer Strich oberhalb des Keils, ein orangefarbener Schwanzwurzelfleck und das Fehlen des typischen schwarzen senkrechten Streifens hinter dem Kiemendeckel zeigen deutlich, dass es sich bei diesen Keilfleckbarben um eine wissenschaftlich noch unbeschriebene, neue Art handelt.

unten links: Mesonoemacheilus triangularis
Die Bachschmerlen Asiens sind eine ungeheuer artenreiche Fischgruppe. Ähnlich wie bei den Panzerwelsen in Südamerika ist eine großer Teil der Arten wissenschaftlich noch gar nicht erfasst.
Eine gut erkennbare Art ist die Zodiak-Schmerle, Mesonoemacheilus triangularis, aus Süd-Indien; hier kommt sie endemisch in den Western Ghats vor. Die Gattung Mesonoemacheilus unterscheidet sich von Nemacheilus nur in einigen kleineren anatomischen Details.
Diese hübsche Schmerle wird rund 6 cm lang und ist leicht zu pflegen. Wie bei anderen Bachschmerlen gibt es immer wieder einmal wiedersprüchliche Berichte über ihr Verhalten. Die meisten Aquarianer erleben sie als friedliche, wenngleich sehr lebhafte und ständg mit Artgenossen interagierende Fische. Andere berichten, die Schmerlen seien sehr zänkisch.


unten rechts: Apistogrammoides pucallpaensis

Unter den Kleinen ist er der Zwerg: Apistogrammoides pucallpaensis aus Peru ist eine der kleinsten Cichlidenarten überhaupt. In der Literatur werden als Maximalgrößen 5 cm für Männchen und 4 cm für Weibchen angegeben. Dabei muss es sich aber um uralte Aquarienexemplare gehandelt haben. Denn Wildfänge sind mit 3 cm (Männchen) und etwa 2,5 cm (Weibchen) bereits geschlechtsreif. Die Größenangeben sind jeweils Totallängen, also mit Schwanzflosse.
Männchen und Weibchen sind einander sehr ähnlich; sicher erkennt man die Männchen immer an bläulichen Flecken in der Schwanzflosse.Voll ausgewachsene Männchen haben zudem drei dunkle Flecken an der Schwanzwurzel.
Wildfänge haben praktisch immer mehr oder weniger stark ausgeprägt schwarze Pigmentanhäufungen. Das ist völlig harmlos und vergleichbar mit Sommersprossen beim Menschen. Da sich diese Pigmentanhäufungen („schwarze Flecken“) nicht vererben und nur bei Wildfängen auftreten, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Hautreaktionen auf überstandene Parasiteninfektionen handelt. Jedenfalls unterscheiden sich Exemplare mit schwarzen Flecken weder ihrer Vitalität noch in der Lebenserwartung von Tieren ohne diese schwarzen Flecken.
Sehr interessant ist die Aggressionsfärbung der Männchen. Während sich bei den meisten Apistogramma-Arten in aggressiver Stimmung die Farben intensivieren, erbleichen hocherregte Männchen von A. pucallpaensis geradezu. Nur die drei auffälligen Schwanzwurzelflecken werden tiefschwarz.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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