Raritäten & Neuimporte im Fokus 315

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

oben links: Dawkinsia rubrotincta
Wegen der lang ausgezogenen Rückflossenstrahlen, die erwachsene Männchen vieler Arten und vor allem der bekanntesten Art der Gattung Dawkinsia zeigen – nämlich D. filamentosa – werden die Angehörigen der Gattung umgangssprachlich auch als Indianerbarben bezeichnet. Die Rückenflosse erinnert an den Federschmuck eines Prärieindianer-Häuptlings. Alle Arten der Gattung sind auf den Süden Indiens und Sri Lanka beschränkt. Manche Indianerbarben, so die bereits erwähnte D. filamentosa, sind sehr weit verbreitet, andere kommen aber nur sehr lokal vor und sind dementsprechend selten im Handel. Eine der seltensten Arten überhaupt ist D. rubrotincta aus dem Einzug des Cauvery River. Sie wurde zwar schon 1849 wissenschaftlich beschrieben, wurde aber sehr lange als Synonym zu D. arulius gesehen. Erst 2011 wurde sie wiederentdeckt und schließlich als gute Art erkannt. Die Fotos zeigen einige jung geschlechtsreife (6-8 cm), aber noch lange nicht ausgewachsene Exemplare. Die zu erwartende Endgröße liegt bei 10-15 cm.

oben rechts: Baryancistrus sp. Snowflake LDA 33 / L142
Der schöne Saugwels Baryancistrus sp. Snowflake LDA 33 / L142 stammt aus dem Rio Tapajós in Brasilien. Gewöhnlich werden von diesen Welsen 4-5 cm lange Jungtiere importiert, die mit ihren großen, weißen Punkten auf tiefschwarzem Grund sehr attraktiv wirken und den Namen „Snowball-Pleco“ vollauf verdienen. Neben hohen Wassertemperaturen (nicht unter 28°C) ist bei diesen Welse besonders auf möglichst keimarmes Wasser und eine gute Fütterung zu achten. Zum Futter gehören auch weiche (!) Hölzer, die die Tiere abraspeln. In der Natur können diese Welse bis zu 30 cm lang werden. Die Fotos zeigen 16-20 cm lange Tiere, die zwar somit noch nicht ausgewachsen, aber schon zu groß für das Fotobecken sind. Die weißen Flecken sind kleiner und zahlreicher als bei den Jungen, es sind sehr schöne Fische!

unten links: Thorichthys meeki Rio Usumacinta
Der Feuermaulbuntbarsch (Thorichthys meeki, früher Cichlasoma meeki) stammt aus Mexiko und gehört zu den beliebtesten Buntbarschen überhaupt. Das verdankt er unter anderem seiner Gesichtsmaske. So eindrucksvoll wie der Meeki senkt keine andere Cichliden-Art den Mundboden und stellt dabei die tiefroten Kiemenhäute aus. Dadurch vergrößert sich der Meeki optisch enorm, denn einem Angreifer wird zusätzlich durch die Flecken auf den Kiemendeckeln (die Augen imitieren) vorgegaukelt, dass der Feuermaulbuntbarsch viel größer als in Wirklichkeit ist.
Die Fotos zeigen Nachzuchten eines sehr schönen Wildstammes aus dem Rio Usumacinta. Dieser Fluss – der wasserreichste Mittelamerikas – bildet die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko.

unten rechts: Batanga lebretonis NACHZUCHT
Die Lehmgrundel (Batanga lebretonis) ist eine der Grundeln, die schon kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts (1905) für die Aquaristik importiert wurde. Seither hat sie immer ihre Freunde gefunden, war aber nie weit im Hobby verbreitet. Das hängt wohl mit der recht stattlichen Größe, die diese entlang der westafrikanischen Küste weit verbreitete Grundel erreichen kann (in der Literatur werden bis zu 15 cm angegeben) und daran, dass man glaubt, sie in Brackwasser pflegen zu müssen. Wie bei den meisten Brackwasserfischen ist dabei allerdings weniger das Salz sondern der pH-Wert wichtig: grundsätzlich sollte der pH-Wert bei solchen Tieren nicht unter 8 sinken, schon bei pH 7 zeigen viele Exemplare Unwohlsein. Das kennt man ja von Seewasseraquarien, wo der pH auch permanent über 8 liegen muss.
Schon in der frühesten Literatur wird berichtet, dass die Art willig laicht und die Jungbrut sehr zahlreich und winzig ist. Während die alten Autoren angeben, dass in Pflanzen gelaicht wird, beschreiben neuere Autoren auch das (bei Schläfergrundeln übliche) Ablaichen in Höhlen. In der Natur wandern die Lehmgrundeln übrigens bei Regenzeit ein Stück flussaufwärts und laichen in überschwemmten Flächen in reinem Süßwasser ab.
Wegen der Kleinheit der Jungen versucht man sich selten an der Aufzucht der meisten Schläfergrundeln. Aquarium Glaser war ziemlich überrascht, Nachzuchtexemplare in guter Größe (4-5 cm) angeboten zu bekommen. Noch überraschter sind sie aber, dass diese Tiere offensichtlich bereits geschlechtsreif sind. Die Männchen haben kräftige Beulenköpfe, wie man das von Tateurndina ocellicauda kennt, schwarze Kehlen und Bauchflossen und deutlich größere Flossen als die Weibchen. Zudem sind sie beständig am balzen. Vielleicht stammen unsere Lehmgrundeln von einer bislang nicht dokumentierten Zwergform ab, wer weiß?
Batanga lebretonis ist ein Freiwasserfisch, der, anders als die meisten Grundeln, überall in den mittleren Wasserschichten umherschwimmt. Halten sich diese Grundeln beständig am Boden auf, stimmt etwas nicht, dann sollten der Gesundheitszustand der Tiere und die Beckeneinrichtung einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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