Raritäten & Neuimporte im Fokus 426

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Raritäten & Neuimporte im Fokus 426

Lerne neue Arten kennen oder entdecke alte Arten neu: In der Aquaristik gibt es immer wieder Tierrarten zu erkunden. Viele sind wunderschön, unbekannt und nur selten im Handel zu finden. Mit Unterstützung der Zierfischgroßhändler aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) stellen wir dir jede Woche vier Arten vor. Darunter findest du auch viele Nachzuchten und ihre verschiedene Zuchtformen.

Gymnochanda ploegi

Thayeria sp. Red Tail Teles Pires
Schrägsteher (Thayeria) sind altbekannte Aquarienfische. Von den wissenschaftlich akzeptierten vier Arten (T. boehlkei, T. ifati, T. obliqua, T. tapajonica) ist T. boehlkei stets im Angebot des Zierfischhandels. Dabei handelt es sich nahezu ausnahmslos um Nachzuchten, obwohl die Art sehr weit in Südamerika verbreitet ist (Peru, Ekuador, Brasilien und Bolivien). Der Rio Teles Pires ist ein rund 1.400 km langer Fluss in Brasilien und einer der beiden Quellflüsse des Rio Tapajós. Offenbar liegt im Teles Pires ein Hotspot der Artenvielfalt für Thayeria: in einer erst kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Studie über die Fischarten des Teles Pires (Ohara, W. M. et al. (2017): Peixes do rio teles pires: diversidade e guia de identificação.) konnten die Autoren 3 verschiedene Arten nachweisen: T. boehlkei, den damals noch unbeschriebenen T. tapajonica und eine weitere wissenschaftlich neue Art, bei der der Seitenstreifen erst unterhalb der Rückenflosse beginnt (wie bei T. ifati aus dem Maroni-Fluss in Guiana). Diese Art nennen sie provisorisch „falso ifati“. Doch die spektakulärste Neuentdeckung aus dem Teles Pires ging ihnen wohl durch die Maschen: der Thayeria sp. Red Tail! Es handelt sich dabei um einen herrlich bunten Schrägsteher, der alle positiven Eigenschaften des T. boehlkei in sich vereinigt (Größe, Schwimmweise, Sozialverhalten, Ansprüche an die Aquarienhaltung), nur dass er zusätzlich sehr farbig ist. Ob die Art wirklich aus dem Teles Pires stammt, können wir natürlich nicht beurteilen, aber Aquarium Glaser kann dieses neue Schmuckstück jetzt in größerer Anzahl als deutsche Nachzucht erstmals anbieten.

Leporinus pellegrinii

Die große Gattung Leporinus umfasst über 90 Arten und stellt noch immer die Wissenschaft vor kaum zu lösende Probleme bezüglich der Abgrenzung der Arten untereinander. Zu den seit Jahrzehnten als besonders kompliziert bekannten Artengruppen gehört der Formenkreis um Leporinus maculatus. Das sind Leporinus, bei denen zumindest ein Teil der Flankenzeichnung aus runden Flecken besteht. Zu der „maculatus-Gruppe“ zählt auch der 1910 aus Surinam beschriebene Leporinus pellegrinii (die Schreibweise mit zwei „i“ am Ende ist die richtige). Der Autor Steindachner ordnete später auch Tiere aus dem Rio Branco dieser Art zu. Leider wurde die Art in der wissenschaftlichen Beschreibung nicht abgebildet, so dass bis heute Zweifel über ihre Identität bestehen. Nach der gegenwärtigen Meinung gibt es die Art im Rio Branco, Essequibo, Tibit, Saramacca, Suriname, Mana und im peruanischen Amazonasgebiet. Aquarium Glaser hat zur Zeit sehr schöne Leporinus, die höchstwahrscheinlich zur Art L. pellegrinii zu rechnen sind, im Stock. Diese Tiere stammen aus Brasilien, genauere Angaben haben sie nicht bekommen. Es handelt sich um eine relativ kleinwüchsige Leporinus-Art, die nach den verfügbaren Angaben maximal 12 cm Gesamtlänge (also inklusiove Schwanzflosse) nicht überschreitet. Untereinander sind die schönen Fische friedlich, was bei Leporinus immer der Erwähnung wert ist.

Caridina pareparensis parvidentata

Zwerggarnelen von der Insel Sulawesi (früher: Celebes) in Indonesien sind berühmt für ihre Farbigkeit – und berüchtigt wegen ihrer hohen Ansprüche an die Pflege. Diese Arten stammen aus den großen Malili-Seen. Es gibt aber auch Zwerggarnelen auf Sulawesi, die zu den am leichtesten zu haltenden und zu pflegenden Zwerggarnelen überhaupt gehören! Zu diesen zählt Caridina pareparensis. Sie lebt in Flüssen im Süden der Insel und passt sich so ziemlich allen Bedingungen an, die man sich in einem normalen Aquarium überhaupt vorstellen kann: weiches und hartes Wasser, saurer oder alkalischer pH-Wert, sogar etwas Salz im Wasser wird toleriert und die Temperatur kann zwischen 16 und 30°C liegen. Unter all diesen Bedingungen lebt und vermehrt sich der Zwerg, der nur etwa 1,5 cm lang wird. Die Zucht ist ausgesprochen ergiebig. Zwar ist diese Zwerggarnele nicht sonderlich farbig, aber hübsch ist sie dennoch und weil sie überhaupt nicht scheu ist, bereitet ihre Pflege sehr viel Freude. Die Art Caridina pareparensis wurde aus einem Fluss bei Parepare beschrieben; die im Hobby befindliche Form wird gewöhnlich der Unterart (beschrieben als Variante) Caridina pareparensis parvidentata zugeordnet, deren Herkunft eine Quelle namens Malawa nahe der Ortschaft Tjamba (das liegt ca. 150 km weiter südlich von Parepare aus gesehen). Wo genau die Tiere, die im Aquarium gepflegt werden, gesammelt wurden/werden, ist nicht bekannt. Der Unterschied zwischen der typischen Form und parvidentata liegt in der Bezahnung des Rostrums, wo parvidentata (wie unsere Tiere) 6-10 Zähnchen hat, die alle auf dem Rostrum sitzen, während die typische pareparensis 13-18 Zähnchen aufweist, von denen sich 3-4 auf dem Cephalothorax befinden.


Gymnochanda ploegi

Aus Indonesien stammt dieser Zwerg-Glasbarsch, der zu Ehren von Alex Ploeg benannt wurde und der in der am 17. 7. 2014 über der Ukraine abgeschossenen Passagiermaschine war. Gymnochanda ploegi ist bislang nur aus West-Kalimantan, dem zu Indonesien gehörigen Teil Borneos, bekannt. Es handelt sich um eine reine Süßwasserart, die in sehr weichem, sauren Wasser lebt. Die friedlichen Fische werden nur 3-4 cm lang und leben im Schwarm. Ihre Pflege ist nicht schwierig, jedoch fressen Gymnochanda, wie die meisten Glasbarsche, nur Lebend- und Frostfutter, letzteres erst nach Gewöhnung. Am besten füttert man solche kleinen Kostbarkeiten mit lebenden Artemia-Nauplien. Nur die Männchen haben vergrößerte und rot gefärbte Flossen. Glasbarsche laichen oft im Aquarium ab, es sind Pflanzenlaicher ohne Brutpflege. Die Aufzucht der winzigen Jungen, die oft nur bestimmte Futterorganismen akzeptieren, ist aber ganz hohe Schule der Aquaristik.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

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