Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 538

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 538

Tauche ein in die faszinierende Welt der Aquaristik und entdecke jeden Sonntag neue Schätze für dein Aquarium! In unserer wöchentlichen Beitrags-Serie auf my-fish.org präsentieren wir dir in Zusammenarbeit mit den Experten von Aquarium Glaser exklusive Einblicke in die Vielfalt der Unterwasserwelt. Unser Fokus liegt dabei ganz auf besonderen Zierfischen sowie spannenden Wirbellosen wie Garnelen und Krebsen. Wir zeigen dir seltene Raritäten, brandneue Entdeckungen und farbenprächtige Zuchtformen, die weit über das Standardsortiment hinausgehen.

Dank der engen Kooperation mit dem erfahrenen Zierfischgroßhandel können wir dir heute wieder vier außergewöhnliche Arten vorstellen, die durch ihre biologischen Besonderheiten und ihre optische Brillanz bestechen. Ob seltene Wildfänge, genetisch spannende Nachzuchten oder gefährdete Arten aus speziellen Erhaltungsprogrammen – bei uns erfährst du alles Wissenswerte über die Herkunft, das Sozialverhalten und die spezifischen Ansprüche dieser Tiere. Bitte beachte, dass wir uns in dieser Reihe ausschließlich der Fauna widmen; Wasserpflanzen werden hier nicht behandelt.

Lerne die biologischen Hintergründe kennen, verstehe die Unterschiede zwischen verschiedenen Standortformen und lass dich von der Leidenschaft für die Aquaristik anstecken. Im Folgenden stellen wir dir die aktuellen Highlights der Woche im Detail vor. Viel Spaß beim Entdecken deiner neuen Lieblingsbewohner!

Chromaphyosemion bitaeniatum IJEBU ODE

Der farbenprächtige Killifisch Chromaphyosemion bitaeniatum ist aktuell als deutsche Nachzucht bei Aquarium Glaser verfügbar. Dieser besondere Prachtkärpfling, der eine Körperlänge von etwa 4 bis 5 cm erreicht, wird im Handel nur selten angeboten. Bei den Tieren im Bestand von Aquarium Glaser handelt es sich um die Fundortform „Ijebu Ode“ aus dem nigerianischen Bundesstaat Ogun. Die Fische präsentieren sich bereits voll ausgefärbt und sehr farbenfroh. Die Art eignet sich zudem gut für die Haltung in Gesellschaftsaquarien mit anderen friedlichen, kleinen Fischen wie beispielsweise Salmlern, Barben oder Welsen.

Ataeniobius toweri Lago de Creda

Die Hochlandkärpflinge (Goodeidae) bilden eine verhältnismäßig kleine Gruppe meist lebendgebärender Fische aus Mexiko. Viele dieser Arten sind in der Natur stark bedroht oder existieren bereits nur noch in menschlicher Obhut. Zu diesen gefährdeten Arten gehört auch Ataeniobius toweri, dessen natürliches Vorkommen sich auf thermale Quellen und verbundene Gewässer (wie das Flusssystem des Río Verde) im Bundesstaat San Luis Potosí erstreckt. In den Zuchtprogrammen der „Goodeid Working Group“ werden verschiedene Standortformen rein gezüchtet, darunter die Form „Lago de Creda“, die Aquarium Glaser in kleiner Stückzahl vorliegen hat. Für den Artenschutz ist es essenziell, diese genetisch distinkten Populationen stets getrennt voneinander zu pflegen und unter ihrer genauen Herkunftsbezeichnung weiterzugeben.

Eine Besonderheit von Ataeniobius toweri innerhalb der Unterfamilie Goodeinae ist, dass die für diese Gruppe typischen Nährschnüre (Trophotaenien) lange als gänzlich fehlend galten. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass während der Embryonalentwicklung zumindest rudimentäre trophotaeniale Strukturen vorhanden sind. Im Gegensatz zu eilebendgebärenden Zahnkarpfen wie Guppys oder Platys gelten Goodeiden als „echte“ Lebendgebärende, da die Jungfische im Mutterleib aktiv mit Nährstoffen versorgt werden.

Die Tiere erreichen eine Standardlänge von etwa 8 cm. Die Geschlechterunterscheidung erfolgt bei dieser Art primär über die unterschiedlich geformte Afterflosse, wobei die Männchen zudem etwas größere Flossen besitzen. Während der Balz entwickeln die Männchen eine bläuliche Schwanzflosse; in der Hochbalz kann ein blauer Glanz den gesamten Körper bedecken und die charakteristischen zwei Längsstreifen überstrahlen.

Aufgrund ihrer Herkunft aus Thermalquellen erweist sich diese Art in der Aquarienhaltung als etwas anpassungsfähiger als andere Goodeiden. Dennoch empfiehlt Aquarium Glaser, den Tieren jährlich eine mehrwöchige Ruhepause bei etwa 18 °C zu gönnen, um ihre Vitalität zu fördern. Die ideale Zuchttemperatur liegt bei 23–24 °C, während bei Temperaturen ab 28 °C die Fortpflanzung eingestellt wird. Das Wasser sollte bevorzugt hart sowie neutral bis schwach alkalisch sein. In Bezug auf die Ernährung bevorzugt Ataeniobius toweri neben Algen auch Flockenfutter und Artemia-Nauplien.

Channa asiatica „Platinum“

Während Zuchtformen bei Schlangenkopffischen (Channa) bisher eine Seltenheit darstellten, kann Aquarium Glaser nun erstmals eine besondere Variante präsentieren: die „Platinum“-Form von Channa asiatica. Diese zeichnet sich durch ihre helle Färbung aus und stammt aus gezielten Zuchten in Taiwan. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu farblich ähnlichen Arten wie Channa argus sind die bei Channa asiatica vollständig fehlenden Bauchflossen.

Die Art Channa asiatica wird wissenschaftlich oft als Artenkomplex betrachtet, da die Tiere anatomisch kaum zu trennen sind, sich farblich jedoch je nach Herkunft deutlich unterscheiden können. In der Aquaristik erreichen diese Fische eine Länge von bis zu 40 cm, wobei sie oft schon mit der Hälfte dieser Größe geschlechtsreif werden. Die natürliche Verbreitung erstreckt sich im Wesentlichen über weite Teile Chinas, Taiwan und Hainan sowie bis in das Stromgebiet des Roten Flusses in Nordvietnam.

In der Haltung gilt Channa asiatica als Charakterfisch. Obwohl die Art keine Nester baut, sondern die Eier an der Wasseroberfläche ablegt und beide Elterntiere die Brut bewachen, ist das Sozialgefüge komplex. Selbst langjährige Paare können ein hohes Aggressionspotenzial entwickeln. Aquarium Glaser weist darauf hin, dass die Pflege dieser Tiere in ausreichend großen Aquarien erfolgen sollte. Bei Einzelhaltung können die Fische sehr zahm werden und eine enge Bindung zum Pfleger aufbauen.

Die Ansprüche an die Wasserwerte sind gering, da sich nahezu jedes Trinkwasser zur Pflege eignet. Eine zusätzliche Heizung ist im Zimmeraquarium in der Regel nicht erforderlich. Besonders bei Zuchtversuchen sollte die Wassertemperatur 22 °C möglichst nicht dauerhaft überschreiten, da höhere Temperaturen die Aggressivität steigern können. Die Fütterung gestaltet sich unkompliziert: Gefressen wird grobes Futter fleischlicher Herkunft wie Regenwürmer, Insekten, Meeresfrüchte oder Frostfutter, aber auch Cichliden-Sticks und grobe Granulate werden meist problemlos angenommen.

Xiphophorus hellerii „Alpha“ (Alpha-Schwertträger)

Der Alpha-Schwertträger stellt eine faszinierende Zuchtform des bekannten Xiphophorus hellerii dar. Obwohl diese Variante bereits seit den 1960er Jahren in der Aquaristik bekannt ist, erlebte sie in den letzten zehn Jahren einen bedeutenden Aufschwung und wird unter Liebhabern sehr geschätzt. Aquarium Glaser weist darauf hin, dass die Bezeichnung „Alpha“ ursprünglich in der ehemaligen DDR für Kreuzungen zwischen dem sogenannten Hamburger Schwertträger und anderen Helleri-Formen geprägt wurde. Als Wegbereiter der modernen Alpha-Zucht gilt der Züchter Günther Schramm, der in den 1980er Jahren intensiv mit diesen Tieren experimentierte.

Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass Alpha-Schwertträger ausschließlich eine samtschwarze Färbung auf rotem Grund besitzen müssen. Tatsächlich können sie theoretisch in fast allen bekannten Farben und Flossenformen gezüchtet werden. Das entscheidende biologische Merkmal der Alphas ist jedoch der stark reduzierte oder gänzlich fehlende Anteil der grünglänzenden „Spiegel“-Schuppen, die für die Hamburger Form typisch sind. Bei Kreuzungen auf grüner Grundfarbe zeigt sich bei den Alphas stattdessen oft ein auffälliger Blauschimmer.

Die Besonderheit dieser Tiere erklärt sich vor allem durch ihre Spalterbigkeit. Da in den Zuchtlinien oft nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Nachkommen die gewünschte, spektakuläre Farbkombination zeigt, gelten diese Exemplare als echte Raritäten im Zierfischgroßhandel. In manchen Bruten entwickeln sich beispielsweise nur die Weibchen in der markanten schwarz-roten Färbung, während die Männchen optisch eher roten Albinos (sogenannten „Wienern“) ähneln. Für ambitionierte Aquarianer bietet der Alpha-Schwertträger somit eine genetisch spannende und optisch beeindruckende Bereicherung für das Gesellschaftsaquarium.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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