Schmerlenzucht und Nachhaltigkeit in der Aquaristik

von Gerhard Ott, aus der DATZ

Gerhard Ott, ein weit bekannter Spezialist für Schmerlen, erläutert in seinem Artikel, welche Schmerlen schon erfolgreich in welchem Umfang nachgezüchtet wurden und geht auf die Bedeutung von Wildfängen in der Aquaristik ein.

Wirklich belastbare Daten gibt es zwar nicht, aber die vorhandenen Quellen legen nahe, dass die allermeisten Aquarienfische aus Nachzuchten stammen. Nur etwa zehn Prozent sind Wildfänge. Bei den Schmerlen liegen die Verhältnisse anders, da sie sehr schwer zu vermehren, manche sogar bisher gar nicht nachgezüchtet worden sind. Gerhard Ott beschäftigt sich mit der Frage – schadet die Naturentnahme, also der Verkauf von Wildfängen, überhaupt den natürlichen Beständen?

Einige Auszüge aus dem Artikel in der DATZ 9/2013 zeigen wir hier:

Schmerlen.Quelle: Gerhard Ott
Schmerlen. Quelle: Gerhard Ott

Was sind überhaupt Schmerlen? Unter Schmerlen im weiteren Sinn (Cypriniformes, Cobitoidea) versteht man die mindestens 1.000 Arten aus den Familien Balitoridae, Barbuccidae, Botiidae, Castostomidae, Cobitidae, Ellopostomatidae, Gastromyzontidae, Gyrinocheilidae, Nemacheilidae, Serpenticobitidae und Vaillantellidae sowie vielleicht bald Yunnanilidae. Das sind jetzt schon über 1.000 beschriebene Arten, mit einigen hundert mehr ist zu rechnen.

 

Stimulation durch Simulation Klassischerweise stimuliert man tropische Fische zur Fortpflanzung mittels Regenzeitmethode: • Veränderungen der elektrischen Leitfähigkeit; • Variieren der Temperatur, des Säurebindungsvermögens und so weiter; • Imitation von Regenfällen und Gewittern; • Schwankungen des Lichtregimes; • Wechsel von Hungerperioden und Zeiten mit eiweißreicher Ernährung. Nach einer Trockenzeitphase zeigten Pangio doriae ein Verhalten im Aquarium, das sich wohl als Laichwanderungsaktivität interpretieren lässt, leider kam es aber nicht zur Eiablage. Immer wieder bekommen Pangio- Weibchen einen Laichansatz. Manchmal verschwinden die Eier einfach (Atresie?), oder die Weibchen sterben, ohne gelaicht zu haben. Ähnliches gilt für Pferdekopfschmerlen der Gattung Acantopsis. Die Vermehrung von Lepidocephalichthys thermalis, verschiedener Populationen aus Sri Lanka, gelang bei mir mehrfach bis zur F4-Generation. Auffällig ist, dass das Ablaichen dieser benthischen (bodenorientierten) Schmerlen dicht unter der Wasseroberfläche stattfand. Auch die Larven und Jungfische hielten sich lange im oberen Drittel der dicht bewachsenen Aquarien auf.

(…)

Bei einigen Spezies kommt noch die Notwendigkeit eines geeigneten Laichsubstrats hinzu.

(…)

Ein Fazit zum Thema Schmerlen und Nachhaltigkeit bezüglich ihrer Nachzucht oder Vermehrung: Über 1.000 Arten sind fischkundlich bekannt. Höchstens zehn Prozent der wissenschaftlich beschriebenen Spezies wurden für die Aquaristik importiert. Für zehn bis 15 Prozent davon (also höchstens ein bis 1,5 Prozent der Gesamtartenzahl) gibt es halbwegs seriös dokumentierte Berichte zum Fortpflanzungsverhalten im Aquarium. Mit anderen Worten: 99 Prozent aller Aquarien-Schmerlen sind Wildfänge. Ng (2008) und Britz (2008) sind der Ansicht, dass durch den Fang für den Aquarienhandel bis heute noch keine Fischart gefährdet wurde, auch nicht in gerade erschlossenen Gebieten wie beispielsweise Birma oder in Fällen, in denen Populationen vermeintlich klein sind. Alle anderen mir bekannten wissenschaftlichen oder auf wissenschaftlichen Quellen beruhenden Publikationen bestätigen das. Schäfer (2012) erläuterte erst kürzlich in dieser Zeitschrift mit einer biologischen Argumentation, warum der Fang von Kleinfischen für die Aquaristik die natürlichen Populationen nicht schädigen kann. Dennoch: PETA und Konsorten behaupten einfach das Gegenteil.

Den gesamten, weit ausführlicheren Artikel könnt ihr in der DATZ 9/2013  lesen.

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