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Schnecken fressende Schnecke

Die attraktive Schnecken fressende Wasserschnecke Anentome helena im Aquarium
Die attraktive Schnecken fressende Wasserschnecke Anentome helena im Aquarium

Aus den Aquarien ist sie kaum noch wegzudenken und dabei ist sie noch gar nicht lange bekannt. Sie hat die Prachtschmerle, Chromobotia macracanthus, sowie deren Verwandte von ihrem Dasein als Schneckenvertilger in 54-Liter- Aquarien erlöst und bleibt mit maximal 28 mm auch deutlich kleiner. Die Rede ist von Anentome helena (PHILIPPI, 1847), oft auch unter dem Synonym Clea helena geführt. Diese aquatile Süßwasserschnecke gehört in die Famile der Buccinidae RAFINESQUE, 1815; bei Vertretern dieser Familie handelt es sich fast ausschließlich um marine Schnecken. Sie sind vorwiegend Räuber oder nekrophagen Ökotyps (Aasfresser). Anentome helena hingegen kommt allerdings in reinem Süßwasser, nordöstlich von Bangkok, in Thailand vor.

Für die Aquaristik war diese Schnecke lange unbekannt. Erst das wachsende Interesse an wirbellosen Tieren und die daraus resultierende Suche vieler Zierfischgroßhändler nach neuen Arten machte uns Aquarianern diese Art zugänglich. Erstmals wurde die Art von Roland NUMRICH (Mimbon Aquarium, Köln) im Jahr 2006 importiert. Nicht etwa eine lange und minuziös geplante Exkursion brachte dieses Tier zu Tage, sondern ein „Spaziergang“ über den Chatuchak- Markt in Bangkok. Sofort ansprechend war natürlich die hübsche Zeichnung der Tiere. Der Händler, der diese Tiere zum Verkauf anbot, versicherte, dass sie sich nicht eingraben und auch sonst einfach zu halten seien. Auf diesem Wege gelangten mit dem Reisegepäck einige wenige Tiere nach Deutschland. Die Euphorie war groß, verflog aber im heimischen Fotobecken sehr rasch, denn die Tiere vergruben sich sehr wohl. Das machen sie äußerst geschickt, indem sie Ihr Gehäuse als eine Art Schaufel benutzen. Mit auf und ab  Bewegungen des Schneckengehäuses gräbt sich die Schnecke innerhalb kurzer Zeit ein.

Wie bedeutend dieser Erstimport für die Aquaristik sein würde, konnte erst später erkannt und ermessen werden, denn einige Pfleger dieser Tiere berichteten, dass die damals noch nicht näher bestimmt Art aktiv andere Schnecken jage und auch fresse. Von diesem  Zeitpunkt an konnten Kugelfische und Schmerlen „aufatmen“. Zwar werden diese auch heute noch im Zoofachhandel als schneckenfressend angeboten, allerdings wachsen die meisten Arten auf enorme Größen heran, benötigen Brackwasser oder sind aggressiv anderen Fischen gegenüber. Daher sind diese Tiere eher schlecht als Schneckenpolizei geeignet.

Mit dem an Sinneszellen reichen Sipho spürt Anentome ihre Beute auf
Mit dem an Sinneszellen reichen Sipho spürt Anentome ihre Beute auf

Besonders auffällig an Anentome helena ist vor allem der „Rüssel“. Dieses Sinnesorgan (Sipho genannt), das eine Länge von 7 bis 10 mm erreicht, dient dem Aufspüren von Beute und ist daher fast ständig sichtbar. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass der Sipho an der Unterseite eine kleine Kerbe aufweist, die es der Schnecke ermöglicht, den Duftspuren (Duftmolekülen) ihrer Beute zu folgen. Hat A. helena erst einmal eine Schnecke erbeutet, geht alles sehr schnell. Sie kriecht auf das Schneckenhaus des Beutetieres und sucht dessen  Eingang. Die Beuteschnecke zieht sich daraufhin in ihr Schneckenhaus zurück, in das ihr A. helena mittels des Proboscis (Rüssel) folgt, an dessen Ende sich die Raspelzunge (Radula)
befindet. Mit Hilfe von saurem Speichel und durch einen Biss in den Kopf wird die Beute getötet. Bei erbeuteten Wasserlungenschnecken (Basommatophora) tritt kurz nach dem Tod Luft aus der Gehäuseöffnung aus. A. helena folgt mit der Raspelzunge den Gehäusewindungen der Beutschnecke und hinterlässt nach dem Mahl nur noch das leere Gehäuse des erbeuteten Opfers.

Die Pflege dieser Schnecke ist sehr einfach. Die Temperatur sollte im Optimum zwischen 21° und 29°C liegen, an die Wasserwerte werden keine besonderen Anforderungen gestellt. Um die Fütterung der Tiere braucht man sich in den meisten Fällen kaum Gedanken zu machen; entweder sie suchen nach anderen Schnecken im Aquarium, wodurch sie einer Massenvermehrung von invasiv durch Wasserpflanzen eingeschleppter Schnecken entgegenwirken können, oder das Aquarium wird nach Futterresten abgesucht. Eine gezielte Fütterung mit Frostfutter oder Futtertabletten ist ebenfalls möglich. Die Vermehrung von A. helena verläuft weniger explosionsartig als bei den meist unerwünschten Schnecken wie Melanoides tuberculatus (O. F. MÜLLER, 1774), Planorbarius corneus LINNAEUS 1758 oder Vertretern der Familie der Blasenschnecken, Physidae.

Anentome helena beim Überfall auf Planorbarius
Anentome helena beim Überfall auf Planorbarius
Der Rüssel (Proboscis) dient Anentome dem Eindringen in das Gehäuse ihrer Opfer
Der Rüssel (Proboscis) dient Anentome dem Eindringen in das Gehäuse ihrer Opfer

 

 

Quelle:

Lars Fehlandt, Aquaristik Fachmagazin, Ausgabe 226, ISSN 1 437-4854

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2 Kommentare

  1. Hallo

    eine tolle Schnecken, sitzt auch bei mir in einen Nano Cube Aquarien und vertilgt dort gerne Blasenschnechen und Posthornschnecken. Ist immer wieder eine Pracht zu beobachten wie sie eine Schnecke jagt und schlussendlich auch erwischt und aussaugt.

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