Zierfischfang war schon immer nachhaltig

Die Brasilianische Regierung hat vor kurzem die Liste der exportierten Fische von einer sogenannten Positivliste auf eine Negativliste mit rund
400 Arten geändert. Die neue Liste definiert die Arten, die nicht gehandelt werden dürfen. Ursula Glaser-Dreyer von Aquarium Glaser in Rodgau spricht über die Bedeutung dieser Änderung für Importeure.

zza: Welche Konsequenzen ergeben sich durch die neuen Rahmenbedingungen für den Handel in Europa mit Zierfischen aus Brasilien? Gib hier deine Überschrift ein

Ursula Glaser-Dreyer:

Wir sehen in der neuen Liste viele Chancen bei gleichzeitig kaum nennenswerten Einschränkungen. Sogar die wenigen Fischarten aus dem Rio Tapajós, die in Zahlen ausgedrückt von geringem Interesse für uns sind und auf der Liste der potenziell bedrohten und somit für den Export verbotenen Arten auftauchen, sollen ja noch freigegeben werden, weil ihre Listung auf geplanten Staudammprojekten beruht, die vorerst nicht realisiert werden sollen. Die wohl wichtigsten Veränderungen beruhen auf der Wiederfreigabe von Fischen aus dem südlichen Brasilien, wie der Welsarten Parotocinclus jumbo, Parotocinclus maculicauda und Scleromystax barbatus. Das Verbot dieser Brot-und-Butter-Arten durch Nicht-Listung auf der letzten Positivliste der Ibama – was übrigens ein Versehen gewesen sein soll – führte zu der Schließung der Exportstationen der Region. Wir sehen außerdem in der Negativliste, also lediglich einem Exportverbot von bedrohten Arten statt einer in etlichen Fällen nicht nachvollziehbaren Positivliste, einen wichtigen Schritt in Richtung Rechts- und Planungssicherheit.

Der Import von Fischen aus Brasilien ist ja gefühlt über die Jahre zurückgegangen. Kann diese Liste die Situation des Exports aus Brasilien ändern?

Wir hoffen das. Die wesentlichste Voraussetzung ist, dass die politisch Verantwortlichen akzeptieren, dass der Zierfischfang schon immer nachhaltig war und dadurch grundsätzlich keine Arten bedroht wurden oder werden. Zeitweise wurden in der Vergangenheit ja die Fischer und Exporteure in Brasilien von Behördenseite quasi unter Generalverdacht gestellt und manchmal auch schikaniert. Wenn das aufhört, dann kann sich auch ein funktionierender und für die lokalen Fischerfamilien planbarer Handel etablieren, von dem alle Beteiligten, vom Fänger über den Exporteur bis zu uns, ebenso profitieren wie die Natur und die mittelbar am Zierfischhandel Beteiligten. Man denke an Barcelos, die Stadt, die im Wesentlichen vom Roten Neon lebt.

Diese Änderung kommt während der Corona-Krise, die ja auch den Flugverkehr dramatisch beeinflusst hat. Wir hören derzeit über Milliardensubventionen für den Luftverkehr. Wie wirkt sich die derzeitige Krise auf den Zierfischimport und -export aus?

Das hat ganz unmittelbare praktische Auswirkungen, weil kaum Flieger fliegen
und entsprechend wenig Frachtraum zur Verfügung steht. Zudem ist die Planung sehr schwierig, weil teilweise über andere Zielflughäfen als Frankfurt in die Europäische Union importiert werden muss. Die Frachtraten haben sich in manchen Fällen verdoppelt. Wir müssen zurzeit nehmen, was wir kriegen, auch wenn es manchmal bedeutet, an Sonn- oder Feiertagen oder spät abends die Fische zu bekommen.

Was ist Ihre Hoffnung für den zukünftigen Zierfischexport aus Brasilien?

Wir hoffen auf weiter wachsende Rechtssicherheit, weitere Objektivierung bei der Einschätzung seitens der Behörden, welche Fischarten durch einen Zierfischhandel bedroht werden könnten, und somit ein wirklich nachhaltiges Business in jeder Hinsicht. Wir arbeiten weiter daran, durch Schulungen vor Ort den Umgang mit den Tieren zu optimieren und auch schwierige und heikle Arten verlustfrei zu uns zu bringen. Wir wünschen uns außerdem, dass die Arbeit an einer Zertifizierung für Nachhaltigkeit und fairen Handel mit wildgefangenen Zierfischen wieder aufgenommen wird, nicht nur für Brasilien. Aber da der Rote Neon nun einmal eine solche Botschafterfunktion im weltweiten Zierfischhandel hat, ist Brasilien das perfekte Land dafür.

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