Raritäten & Neuimporte im Fokus 535: Einblicke in die Aquarienvielfalt

Raritäten & Neuimporte im Fokus 535: Einblicke in die Aquarienvielfalt

Von seltenen Schwertträgern bis zu neuen Panzerwelsen: Entdecke Salmler und charakterstarke Karpfenfische

Tauche jeden Sonntag mit uns in die faszinierende Welt der Aquaristik ein und erweitere dein Wissen über beeindruckende Unterwasserbewohner! Auf my-fish.org präsentieren wir dir in unserer wöchentlichen Serie exklusive Einblicke in die Vielfalt der Zierfische und Wirbellosen. Ob lebhafte Süßwasserfische wie anmutige Salmler und markante lebendgebärende Zahnkarpfen, charakterstarke Karpfenfische mit ihrem eigenwilligen Verhalten, faszinierende Bodenbewohner wie Welse oder interessante Wirbellose wie Garnelen und Krebse – hier entdeckst du stets neue Arten, seltene Arten oder lernst bekannte Aquarienbewohner von einer völlig neuen Seite kennen. Diese besonderen Aquarienfische und Wirbellosen sind oft wahre Juwelen, wunderschön anzusehen, noch relativ unbekannt und nur selten im regulären Zoofachhandel zu finden.
Wir legen dabei besonderen Wert darauf, dir nicht nur atemberaubende Bilder, sondern auch fundierte Informationen und detaillierte Haltungstipps zu jeder Art zu bieten. Unser Versprechen: Diese Serie konzentriert sich ausschließlich auf die Tierwelt deines Aquariums. Aquarienpflanzen sind hier bewusst kein Thema, da wir uns ganz der Faszination von Fischen und Wirbellosen widmen und deren spezielle Bedürfnisse in den Fokus rücken.
Dank unserer langjährigen Partnerschaft mit führenden Zierfischgroßhändlern aus der Fachgruppe des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) können wir dir jede Woche verlässlich vier herausragende Fischarten und Wirbellosen-Arten vorstellen. Freue dich auf spannende Artbeschreibungen, detaillierte Steckbriefe und lerne die Besonderheiten jeder Gattung kennen. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf qualitativ hochwertige Nachzuchten und ihre vielfältigen Zuchtformen, die nicht nur zur Arterhaltung beitragen, sondern auch robust und an das Leben im Aquarium angepasst sind. So findest du immer wieder Inspiration für dein eigenes Aquarium und kannst dein Hobby mit neuen Fischarten und Wirbellosen auf ein neues Level heben. Bleib dran und verpasse keine unserer wöchentlichen Aquaristik-Entdeckungen auf my-fish.org!

Hoplisoma sp. CW218

Xiphophorus nezahualcoyotl – Der Nördliche Bergschwertträger

Der „Nördliche Bergschwertträger“, Xiphophorus nezahualcoyotl, ist eine faszinierende Art, deren Nachzuchttiere Aquarium Glaser gelegentlich im Bestand führt. Bei der Ankunft bei Aquarium Glaser sind die Tiere meist jung erwachsen, was bedeutet, dass das charakteristische Schwert der Männchen noch relativ kurz oder sogar noch nicht ausgeprägt ist. Zum Vergleich wird oft ein voll ausgewachsenes Männchen herangezogen, um die Endentwicklung zu verdeutlichen.

Früher wurde Xiphophorus nezahualcoyotl als eine lokale Variante von X. montezumae eingestuft. Der wissenschaftliche Artname ehrt Nezahualcoyotl (1402-1472), den bekannten Dichter-Philosophen-Kaiser von Tezcoco (Texcoco). Dieser regierte als gleichberechtigter Partner von Montezuma, dem Herrscher der Azteken im aztekischen Dreibund. Die Wahl des Namens unterstreicht die enge Verwandtschaft, da die Art als Schwestertaxon von X. montezumae betrachtet wird.

Das natürliche Verbreitungsgebiet von X. nezahualcoyotl beschränkt sich auf die Quellgebiete einiger Flüsse im Bundesstaat San Luis Potosí in Mexiko. Dort finden sich klare Gewässer mit steinigem Untergrund und moderaten Temperaturen von 22-24°C. Die Pflege dieses eher kleinbleibenden Schwertträgers gilt als nicht allzu schwierig. Die Körperlänge überschreitet selten 4 cm (das größte gemessene Wildfang-Männchen erreichte eine Standardlänge von 48 mm, zuzüglich der Flossen). Dennoch ist eine gute Wasserhygiene von Bedeutung. Besonders wichtig ist, dass der pH-Wert dauerhaft nicht unter 7 liegen sollte, idealerweise um 8. Entsprechend sollte das Aquarienwasser mindestens mittelhart sein. Als Futter wird jedes handelsübliche Zierfischfutter in passender Größe gut angenommen.

Charakteristisch für diese Art ist, dass sie mit oder ohne schwarze Sprenkelung auftreten kann. Die schwarze Sprenkelung, die oft auf Abbildungen zu sehen ist, ist Y-chromosomal gebunden und wird somit ausschließlich vom Vater vererbt. Für Züchter, die X. nezahualcoyotl ohne diese Sprenkelung erhalten möchten, ist es daher notwendig, ein ungeflecktes Männchen als Zuchttier auszuwählen. Die Wurfintervalle dieser Art liegen typischerweise bei 4 bis 6 Wochen, wobei pro Wurf gewöhnlich zwischen 10 und 40 Jungtiere abgesetzt werden.

Epalzeorhynchos bicolor – Der Feuerschwanz

Der Feuerschwanz, Epalzeorhynchos bicolor (früher unter dem Namen Labeo bicolor bekannt), zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Aquarienfischen. Seine auffällige Farbkombination aus einem pechschwarzen Körper und einer leuchtend feuerroten Schwanzflosse macht ihn für viele Aquarianer unwiderstehlich. Unter erfahrenen Liebhabern hört man jedoch oft die Bemerkung: „Auf diesen Fisch muss jeder mal hereingefallen sein.“ Dies klingt zunächst negativ und wirft die Frage nach dem Warum auf.

Obwohl der Feuerschwanz, der eine maximale Länge von 12-13 cm erreichen kann, systematisch zu den Karpfenfischen gehört, zeigt er im Verhalten starke Parallelen zu bestimmten Buntbarschen, insbesondere zu Tropheus-Arten aus dem Tanganjikasee. Die Haltungsanforderungen des Feuerschwanzes, dessen Wildpopulation in Thailand aufgrund von Staudammbauten, die Laichwanderungen verhindern, als ausgestorben gilt, ähneln tatsächlich denen von Tropheus. Es handelt sich um Aufwuchsfresser, die viel Platz benötigen und innerhalb ihrer Art eine strenge Hierarchie etablieren.

Wird ein einzelner Feuerschwanz in einem durchschnittlich großen Aquarium gehalten, kann es häufig vorkommen, dass sich dieses Tier zu einem regelrechten Tyrannen gegenüber dem gesamten restlichen Besatz entwickelt. Hier liegt der Fehler jedoch beim Aquarianer, nicht beim Fisch, denn das Tier folgt lediglich seinen natürlichen Instinkten. Bemerkenswert ist, dass diese Haltungsform oft überraschend gut funktioniert. Dies wird darauf zurückgeführt, dass der Feuerschwanz seit mindestens 40 Jahren ausschließlich als Nachzucht erhältlich ist. Die gezüchteten Tiere sind in der Regel deutlich friedlicher als ihre wilden Vorfahren, da über die Generationen hinweg stets die verträglichsten Exemplare für die Weiterzucht ausgewählt wurden. Ohne die kontinuierliche Nachfrage in der Aquaristik wäre der Feuerschwanz heute wahrscheinlich auf der Liste der in der Natur ausgestorbenen Tierarten zu finden.

Dennoch sollte die artgerechte Pflege von Epalzeorhynchos bicolor in Aquarien ab 150 cm Kantenlänge erfolgen. Hier können sie entweder einzeln oder in Gruppen von mindestens 15, besser sogar mehr Exemplaren gepflegt werden. Zarte und stressempfindliche Fischarten eignen sich nicht als Gesellschaft für Feuerschwänze. Wie bei Tropheus-Buntbarschen kann es auch bei korrekter Pflege vorkommen, dass einzelne Exemplare unterdrückt werden. Greift der Pfleger in solchen Fällen nicht ein, kann dies für den gemobbten Fisch tödlich enden.

Hinsichtlich der Wasserwerte zeigt sich der Feuerschwanz anpassungsfähig. Nahezu jedes Trinkwasser ist geeignet; der pH-Wert kann zwischen 6 und etwas über 8 liegen. Wassertemperaturen zwischen 22 und 28°C sind optimal für die Haltung. Als Futter wird jedes handelsübliche Zierfischfutter angenommen, wobei Flockenfutter, Futtertabletten und feines Frostfutter (wie Cyclops oder Bosmiden) besonders gut geeignet sind. Es ist zudem sehr wichtig, den Tieren ein sehr gut strukturiertes Aquarium mit reichlich Steinaufbauten, Wurzelholz oder robusten Pflanzen zur Verfügung zu stellen.

Bei voll ausgewachsenen Tieren lassen sich die Geschlechter gut unterscheiden: Weibchen sind in der Bauchpartie deutlich fülliger, während Männchen eine ausgezogene Rückenflosse besitzen. Feuerschwänze sind Freilaicher und betreiben keine Brutpflege. Richtig gepflegte Feuerschwänze entwickeln sich zu prachtvollen Tieren, die selbst erfahrene Aquarianer immer wieder begeistern.

Pyrrhulina spilota – Der gesprenkelte Pyrrhulina-Salmler

Die Salmler der Gattung Pyrrhulina vereinen auf einzigartige Weise die Vorzüge zweier beliebter Aquarienfischgruppen: Sie zeigen das stets gut sichtbare, freischwimmende Verhalten von Salmlern und Barben, kombiniert mit dem faszinierenden, interessanten Sozialverhalten von Buntbarschen und Labyrinthfischen.

Eine der ästhetischsten Arten dieser Gattung ist Pyrrhulina spilota, welche Aquarium Glaser immer wieder einmal aus Peru importieren kann. Im alltäglichen Verhalten ähneln P. spilota typischen Salmlern: Sie schwimmen vorwiegend im freien Wasser umher, bevorzugen dabei oft das obere Drittel der Wassersäule, sind aber grundsätzlich im gesamten Aquarium aktiv. Diese Fische akzeptieren jede Art von handelsüblichem Zierfischfutter, einschließlich Trockenfutter, und lassen die Aquarienpflanzen dabei unbehelligt. In diesen Aspekten gleicht ihr Verhalten weitestgehend dem anderer Salmler.

Sobald die Tiere jedoch in Brutstimmung geraten, ändert sich ihr Verhalten signifikant. Die Männchen entwickeln während der Brutzeit eine fantastische Färbung und besetzen Reviere, wobei sie bevorzugt eine breitblättrige Pflanze als Laichsubstrat wählen. Fehlt diese, dienen auch Steine oder Wurzeln als Ausweichmöglichkeit. Auf diesen Substraten legen die Fische ihre Eier ab. Anders als viele andere Salmler, die ihre Eier ungerichtet verstreuen, produzieren Pyrrhulina spilota ein kompaktes Gelege, das in seiner Struktur gut mit einem Buntbarschgelege vergleichbar ist. Es ist während dieser Zeit nicht ungewöhnlich, Männchen mit leicht ausgefransten Flossen zu beobachten, die aus Imponierkämpfen mit Rivalen resultieren. Dies ist ein völlig normaler und harmloser Teil des Brutverhaltens; nach der Laichzeit regenerieren sich die Flossen vollständig.

Das Männchen übernimmt, ähnlich wie bei Labyrinthfischen, die intensive Brutpflege. Diese Aufgabe wird von ihm sehr ernst genommen. Eventuelle Mitbewohner im Aquarium sind gut beraten, dem Gelege nicht zu nahe zu kommen, da das Männchen dieses energisch verteidigt. Mit dem Schlupf der Jungfische erlischt der ausgeprägte Brutpflegetrieb des Männchens, und die Pyrrhulina spilota kehren zu ihrem gewohnten, eher ruhigen Salmlerverhalten zurück

Hoplisoma sp. CW218 – Ein neuer Zwergpanzerwels aus Kolumbien

Es ist bemerkenswert, dass selbst im ichthyologisch gut untersuchten Kolumbien ständig neue Panzerwelse entdeckt werden. Der Hype um den im Herbst 2025 entdeckten und erstmals importierten Hoplisoma sp. aff. concolor CW217 hat sicherlich dazu beigetragen, dass Exporteure auch abseits der altbekannten Fischgewässer nach interessanten Arten suchen und diese auch finden. Kürzlich wurden drei neue CW-Nummern vergeben, und Aquarium Glaser konnte alle drei Arten importieren: Hoplisoma sp. CW218, Hoplisoma sp. CW219 und Brochis sp. CW220.

Hoplisoma sp. CW218 zählt zu einer Gruppe ungewöhnlicher Zwergpanzerwelse, die nur durch vergleichsweise wenige Arten repräsentiert wird. Wissenschaftlich ist bisher nur eine Art beschrieben, die H. sp. CW218 sehr ähnlich ist: H. osteocarus (verbreitet in Kolumbien, Venezuela, Surinam, im Orinoko-Einzug und in Küstenflüssen); gelegentlich wird der Artname auch osteocarum geschrieben, dies wird hier jedoch nicht weiter erörtert.

Charakteristische Merkmale dieser Gruppe sind ein sehr kurzer Kopf mit runder Schnauze, eine deutlich ausgeprägte Augenbinde, ein steil ansteigender Vorderrücken, eine senkrechte rauchgraue bis schwarze Zone am Beginn der Rückenflosse und ansonsten farblose Flossen. Der Körper ist von einem unregelmäßigen Pfeffer-und-Salz-Muster bedeckt. Neben H. osteocarus können CW218 mit CW104 (Kolumbien, Rio Cuduyari, ein Zufluss des Rio Vaupés) und CW142 (Brasilien, Rio Purus) verwechselt werden. CW218 soll aus dem oberen Einzugsgebiet des Rio Vaupés nahe der Stadt Calamar stammen. Die Ähnlichkeit zu CW104 ist sehr groß, sodass es sich wahrscheinlich um dieselbe zoologische Art handelt; Bilder von CW104 zeigen zwar einen etwas schlankeren Fisch, dies könnte jedoch altersabhängig sein. Von dem geografisch in Frage kommenden H. osteocarus unterscheiden sich CW104 und CW218 farblich: Für H. osteocarus ist ein dunkler Bogenfleck an der Basis der Schwanzflosse sehr charakteristisch.

Die von Aquarium Glaser kürzlich importierten H. sp. CW218 Exemplare sind 2-3 cm lang und scheinen geschlechtsreif zu sein, wobei die Weibchen tendenziell etwas größer sind. Es ist nicht zu erwarten, dass die Fische wesentlich über 4 cm Länge erreichen. Sie zeigen in der Regel eine gute Haltungsstabilität, können aber unmittelbar nach dem Umsetzen gelegentlich Unwohlsein manifestieren. Daher ist Vorsicht geboten, wenn die Tiere aus einem Wasser kommen, das stark vom heimischen Aquarienwasser abweicht.


Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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