Ein farbenfrohes Aquarium mit Zwerggarnelen ist der Traum vieler Aquarianer, doch bei einer bunten Mischung verschiedener Farben verblasst der Nachwuchs oft zu wildfarbenen, transparenten Tieren. In diesem Artikel stellt Tobias Götzke eine faszinierende Ausnahme vor: Die Neocaridina davidi „Green Red Hulk“. Diese Farbform bietet eine unglaubliche Variabilität von Grün über Bronze bis Rot und ermöglicht es, ein buntes Becken zu pflegen, ohne die Farbintensität der nächsten Generationen einzubüßen.
Eine bunte Mischung ohne Risiko von wildfarbenem Nachwuchs (Bild: Dr. Philipp Baumann)
Kleine Superhelden im Aquarium -Die neue Neocaridina davidi „Green Red Hulk“
Eine bunte Mischung beispielsweise von roten, gelben und blauen Neocaridina-Garnelen bringt zwar ordentlich Farbe ins Aquarium, trägt aber gleichzeitig immer das Risiko, dass es zu transparenten wildfarbenen Tieren im Nachwuchs kommt. Wirklich immer? Nein … und genau das macht die „Hulks“ für mich so einzigartig: Die Tiere sind farblich unglaublich variabel, aber die Farben bleiben auch im Nachwuchs erhalten, und es fallen keinerlei wildfarbene Tiere. Durch gezielte Selektion lässt sich ein Stamm heranziehen, der in jedem Fall einzigartig ist.
Bei Neocaridina davidi „Golden Hulk“ liegt über der grünen Farbe eine Deckschicht unterschiedlicher Dichte. (Bild: Dr. Philipp Baumann)
Die Besonderheit der „Hulks“
Bei der Neocaridina davidi „Hulk“ liegt über der eigentlichen Farbe nochmals mindestens eine Schicht an andersfarbigen Pigmenten, die sogenannte Deckfarbe, oft auch zwei oder sogar drei. Diese Schicht ist dabei kein Rückenstrich, im Gegenteil, dieser schmale Teil der Garnele ist oft gar nicht in der Deckfarbe gefärbt.
Bunte, dennoch stabile Mischung
Die Farben der Hulks gehen von knalligem Grün, Bronze, Gold, Kupfer bis zu intensivem Rot. Meinen Stamm habe ich im vergangenen Jahr gezielt in Richtung leuchtend rote „Green Red Hulks“ selektiert. Das Rot der Deckfarbe ist mittlerweile bei vielen meiner Tiere so flächig, dass man nur noch an den Beinen und Fühlern erkennen kann, dass die Garnele eigentlich von der Grundfarbe her grün ist. In der vierten Generation tauchen nun sogar Exemplare mit metallischem Schimmer auf, wie man sie eigentlich nur von Caridina-Garnelen kennt. Dieser Stamm verblüfft mich immer wieder aufs Neue!
Dieses Bild lässt verstehen, warum der Ausgangsstamm „Golden Hulk“ genannt wird. (Bild: Dr. Philipp Baumann) Eine „Golden Hulk“ mit Orangetönen. (Bild: Dr. Philipp Baumann) Wer hier genau schaut, sieht, dass der Rückenstrich von der Deckfärbung ausgenommen ist. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die „Green Red Hulks“ werden gezielt auf rote Deckfärbung selektiert. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee
Markt der Möglichkeiten
Meine Ausgangsgruppe, einen Stamm von 20 Tieren, kaufte ich vor etwas über einem Jahr beim renommierten Züchter Dr. Philipp Baumann. Die Tiere begeisterten mich von Anfang an. Besonders ansprechend finde ich, dass dieser Stamm so vielseitig ist. Die Variabilität der Deckfarben auf intensiv grünem Grund ist unglaublich. Man kann bei den Tieren in viele Richtungen selektieren oder der Entwicklung einfach ihren Lauf lassen. Der letztere Ansatz gibt dem Halter und Züchter die Möglichkeit, Garnelen mit ganz unterschiedlichen Farben im Aquarium zu halten und nach recht kurzer Zeit eine große Vielfalt an Tieren zu erzielen, ohne transparenten wildfarbenen Nachwuchs in Kauf nehmen zu müssen.
Das Aquarium
Meine „Green Red Hulks“ halte ich in einem Dennerle Scaper’s Tank mit 35 Litern Volumen, rechteckiger Grundfläche und vergleichsweise geringerer Höhe. Als Beleuchtung nutze ich eine Chihiros WRGB 2 SLIM, die aber nur auf 30% läuft, um die Tiere nicht durch allzu helles Licht zu sehr zu stressen. Sie danken es mir durch wunderschöne, intensive Farben und knallig gefärbten Nachwuchs.
Ganz in Orange sind die Tiere ebenfalls schick. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Grundfarbe ist hier nur noch an Beinen, Fühlern und dem Schwanzfächer zu erkennen. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee
Die Aquarieneinrichtung
Im Aquarium der „Hulks“ verwende ich eine ganz dünne Schicht Ebi-Gold-Soil, aber nicht wegen der Pufferung. Ich persönlich nutze Soil sehr gerne auch in Neocaridina-Setups, weil er schön dunkel und grobkörnig ist und schön mit den Farben der Tiere kontrastiert. Als Deko nutze ich einen 5×10 cm großen Lavastein, auf den ich Flame-Moos aufgebunden habe. Die „Hulks“ lieben es, sich in dem Moos zu verstecken, und es wächst schön vertikal. Als Filter nutze ich klassische Luftheber mit modifizierten Antrieben, um mehr Wassermasse zu fördern und dadurch die Filterleistung zu erhöhen, und zwar sehr gerne zwei Doppelschwammfilter pro Becken.
Die Wasserparameter
Ich nutze Osmosewasser, das ich mit dem Mineralsalz „GH/KH+“ von Salty Shrimp auf einen Leitwert von 500-600 µS aufhärte, was in einer Karbonathärte von fünf, einer Gesamthärte von zehn und einem pH-Wert von 7,8 resultiert.
Auch die weniger rot gefärbten Tiere sind wunderschön. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Unselektierte Hulks bilden einen schönen bunten Mix im Aquarium. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Auch die rein grünen Tiere sind deckend intensiv gefärbt. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee
Die Fütterung
Meine Garnelen bekommen ausschließlich Futter von Garnelen4you, weil es mich von der Qualität, den wissenschaftlichen Grundlagen und Nachhaltigkeit her einfach überzeugt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Futterhersteller es immer wieder Im Labor überprüfen lässt. Auch meine „Green Red Hulks“ füttere ich mit der kompletten auf Neocaridina abgestimmten Feedline: Carny, Planty, Neo-Algen- und Mineral Sticks und Baby Powder. Damit fahre ich sehr gut, das Becken ist voller Nachwuchs.
Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee Die Tiere lassen sich in viele Richtungen selektieren. Foto: Tobias Götzke alias Shrimp2bee
Positive und negative Zuchtselektion
Der Ansatz der positiven Zuchtselektion ist es, Männchen und Weibchen mit erwünschten Merkmalen gezielt zu verpaaren und sie zu diesem Zweck in ein separates Zuchtbecken zu setzen, wo ihr Nachwuchs ungestört heranwachsen und in der Folge weiter selektiert werden kann.
Bei der negativen Selektion dagegen werden Tiere, deren Aussehen nicht dem Zuchtziel entspricht, idealerweise vor Erreichen der Geschlechtsreife aus der Zuchtgruppe genommen, damit sie ihre Genetik nicht weitergeben. Zu unerwünschten Merkmalen zählen Fehlfarben, nicht der Vorstellung entsprechende Muster, aber auch körperliche Faktoren wie ein zu kurzer Carapax.
Wird eine Zuchtgruppe konsequent durchselektiert, vermehren sich nur die Tiere mit den erwünschten Merkmalen untereinander. Dadurch wird die Genetik des Zuchtstamms über die Zeit immer stabiler, sodass sich die erwünschten Merkmale über die nachfolgenden Generationen mehr und mehr festigen und der Anteil an Tieren, die dem Zuchtziel entsprechen, im Nachwuchs immer weiter steigt.
In der Regel bedienen sich erfolgreiche Züchterinnen und Züchter bei der Garnelenzucht beider Methoden; so wird häufig zunächst mit Hilfe der positiven Selektion eine Zuchtgruppe aufgebaut, die dann mit Hilfe der negativen Selektion genetisch weiter gefestigt wird.
Der Artikel beleuchtet die Haltung und Zucht der extrem variablen Neocaridina davidi Zuchtform „Hulk“ am Beispiel des „Green Red Hulk“-Stammes. Die Besonderheit dieser Zwerggarnelen liegt in den vielschichtigen Farbpigmenten (Deckfarben), die über der grünen Grundfarbe liegen. Im Gegensatz zu vielen anderen gemischten Neocaridina-Stämmen fallen bei der Vermehrung der Hulks keine transparenten Wildformen an, sodass die Tiere farbstabil bleiben. Autor Tobias Götzke gibt zudem detaillierte praktische Einblicke in seine bevorzugten Haltungsbedingungen, von der Wahl des Bodengrundes über ideale Wasserparameter bis hin zur optimalen Fütterung für reichlich Nachwuchs.
Tobias Götzke, in der Aquaristik-Szene unter seinem erfolgreichen Pseudonym Shrimp2bee bekannt, ist ein leidenschaftlicher Züchter und Experte für Zwerggarnelen. Er hat sich auf Hochzuchten spezialisiert, insbesondere auf faszinierende und komplexe Farbformen wie Blue Velvet (Neocaridina) oder anspruchsvolle Caridina-Arten wie Black Galaxy Fishbone und Zebras. Neben seiner Tätigkeit als Autor teilt Götzke sein umfangreiches Praxiswissen zur gezielten Garnelenzucht, Selektion und Wasseraufbereitung als Creator auf Instagram und anderen Plattformen, wo er sich der Aufklärung und Wissensvermittlung rund um die faszinierende Welt der Wirbellosen im Süßwasseraquarium widmet.
Die Neocaridina davidi „Green Red Hulk“ ist die ideale Zwerggarnele für alle Aquarianer, die ein dauerhaft farbenfrohes Becken ohne den unerwünschten transparenten Wildform-Nachwuchs anstreben. Durch die Kombination aus positiver und negativer Zuchtselektion lassen sich aus dieser extrem wandlungsfähigen und robusten Linie faszinierende, individuelle und farbstabile Stämme heranziehen. Tobias Götzke zeigt eindrucksvoll, wie mit dem richtigen Setup bei Wasserwerten, Bodengrund und Fütterung die Haltung und Zucht dieser besonderen Tiere problemlos gelingt.
Über das Magazin: Caridina
Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.
Was bietet das Magazin?
Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
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Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)
Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
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Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.
Tobias Götzke, in der Aquaristik-Szene unter seinem erfolgreichen Pseudonym Shrimp2bee bekannt, ist ein leidenschaftlicher Züchter und Experte für Zwerggarnelen. Er hat sich auf Hochzuchten spezialisiert, insbesondere auf faszinierende und komplexe Farbformen wie Blue Velvet (Neocaridina) oder anspruchsvolle Caridina-Arten wie Black Galaxy Fishbone und Zebras. Neben seiner Tätigkeit als Autor teilt Götzke sein umfangreiches Praxiswissen zur gezielten Garnelenzucht, Selektion und Wasseraufbereitung als Creator auf Instagram und anderen Plattformen, wo er sich der Aufklärung und Wissensvermittlung rund um die faszinierende Welt der Wirbellosen im Süßwasseraquarium widmet.