Faszination Zuchtarbeit – ein Fünfjahresrückblick … und ein persönlicher Blick auf die Szene
Es freut mich, dass ich in der Vergangenheit im Caridina-Magazin Einblicke in meine Zuchtprojekte geben durfte – besonders, weil viele interessierte Aquarianer fernab von sozialen Medien unterwegs sind. In dieser Ausgabe möchte ich nicht nur von neuen Errungenschaften und künftigen Zielen sprechen, sondern auch einen persönlichen Rückblick geben – auf eine faszinierende Entwicklung und eine Szene, die sich trotz Herausforderungen stetig weiterentwickelt und begeistert.

Ehrgeiziges Zuchtprojekt
Vor rund fünf Jahren begann mein eigenes kleines Zuchtprojekt mit einem ehrgeizigen Ziel: Ich wollte die auffälligen orangefarbenen Augen (engl. orange eyes; OE) in möglichst viele gängige Farbvarianten der Neocaridina davidi einkreuzen. Heute, also ein halbes Jahrzehnt später, sind rote, blaue, schwarze, orange und grüne Linien mit den charakteristischen Augen Realität geworden – viele davon sind bei uns in der Szene inzwischen weit verbreitet. Einige dieser Linien haben es sogar über die Grenzen Europas hinausgeschafft und sind unter Aquaristikfreunden rund um den Globus angekommen. So habe ich sie bereits in unterschiedlichen Ländern in Nord- und Südamerika, Asien und dem mittleren Osten auf Social Media gesehen. Eine Übersicht der aktuell etablierten Linien ist auf Seite XY in dieser Ausgabe zu sehen.

Green Demon beim TGISC
Höhepunkte sind für mich der Erfolg der grünen „Green Demon“ Linie, die 2023 und 2025 beim The German International Shrimp Contest (TGISC) mit dem ersten Platz in der entsprechenden Kategorie ausgezeichnet wurde. Weiterhin ist die professionelle Fotoserie durch Chris Lukhaup für mich persönlich ein toller Moment, der für die bisherige Entwicklung des Projektes eine schöne Momentaufnahme bedeutet. Wenn ich so darüber nachdenke, dann finde ich es schon cool, so einen eigenen kleinen Fußabdruck in der Szene hinterlassen zu haben. Und jetzt, wo ja mehr oder weniger alle Farbschläge mit orangen Augen existieren? Keine Sorge, ich leide immer noch an der gleichen Krankheit wie die meisten anderen Garnelenhalter und habe zu wenige Becken für all meine Ideen. So sind z.B. aus der Green Demon inzwischen zwei neue Projekte entstanden: Die Selektion auf einen helleren giftgrünen Farbton sowie das Stabilisieren einer Rili-Musterung.



Nicht nur Applaus
Doch mein Projekt sah sich in den letzten Jahren auch immer wieder mit Kritik konfrontiert – über einige dieser Punkte möchte ich offen sprechen. Bereits bei der Namensgebung kam es zu heftigen Diskussionen: Der Begriff „OE“ – ursprünglich für orangefarbene Augen bei Caridina verwendet – stieß bei der Anwendung auf Neocaridina auf deutlichen Widerstand. Tatsächlich unterscheiden sich die orangen Augen bei Neocaridina optisch – sie wirken oft dunkler und weniger leuchtend. Dennoch hielt ich an der Bezeichnung fest, weil sie aus meiner Sicht schlicht die Farbe der Augen beschreibt. Die Intensität der Diskussionen hat mich überrascht – besonders, weil es scheinbar „nur“ um eine Farbbezeichnung ging. Inzwischen ist es um das Thema zum Glück etwas ruhiger geworden.



Wer glaubt, es ginge ums schnelle Geld …
Ein weiterer Kritikpunkt, dem viele Züchter und auch ich häufig ausgesetzt sind, ist der Vorwurf, das Hobby mit dem einzigen Ziel der Geldmacherei zu betreiben. Oft wird unterschätzt, wie viel Geduld und Zeit in so ein Projekt fließt – etwa wie im Fall meiner Green Demon-Linie, deren Entwicklung sich über 5 Jahre erstreckte, ohne dass jemals ein einzelnes Tier gewinnbringend abgegeben wurde. Um das zu veranschaulichen, habe ich in einer Abbildung mal den zeitlichen Verlauf da gestellt. Gerade bei Neocaridina, die sich unter optimalen Bedingungen explosionsartig vermehren, stellt sich dann die Frage: Ist es wirklich verwerflich, wenn solche Tiere anfangs nicht kostenlos abgegeben werden?
Meiner Meinung nach hat dieses Thema vor allem mit der Wertschätzung zu tun, denn Züchter, die über Jahre hinweg mit Ausdauer und Systematik beim Kreuzen an einer neuen Linie arbeiten, investierten weit mehr als andere, die lediglich existierende Linien vermehren und selektieren (aber auch vor dieser Leistung habe ich Respekt!). Würde ein junger unerfahrener Züchter fragen, wie man möglichst schnell mit den Tieren Gewinn machen kann, dann würde ich ihm eher den Verkauf von Standardfarbformen wie Bloody Mary und Blue Dream empfehlen – einfach, weil es wirtschaftlich reizvoller ist. Ich bin aber überzeugt, dass die Leidenschaft in der Garnelenzucht vor allem durch das Erscheinen neuer Linien entsteht, während andere etabliertere Linien nach und nach ihren Weg in die Becken vieler Hobbyisten finden – bezahlbar, farblich stabil und genauso faszinierend.

Der TGISC – mein Highlight in der Garnelenszene
Jedes Jahr haben Züchterinnen und Züchter aus aller Welt die Gelegenheit in rund 200 Becken ihre besten Tiere zu präsentieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Für viele – mich eingeschlossen – ist der TGISC jedes Jahr ein absolutes Highlight. Aber auch hier gibt es immer wieder kritische Stimmen, die dem Wettbewerb Absprachen und Intransparenz unterstellen – etwa zwischen Juroren, Teilnehmern oder dem Organisationsteam. Wer einmal hinter die Kulissen blicken durfte, erkennt schnell den hohen organisatorischen und ethischen Anspruch. Es gelten klare Regeln: Wer als Juror tätig ist, darf nicht in derselben Kategorie teilnehmen. Außerdem arbeitet das Organisationsteam ehrenamtlich, trägt Reisekosten und Aufwand weitestgehend selbst – und schafft damit eine Veranstaltung, von der die gesamte Community profitiert. Die Kritik im Netz verfehlt daher nicht nur den Kern, sondern kann auch nachhaltigen Schaden anrichten. Das zeigt sich bereits auf internationaler Bühne: So erklärte der Veranstalter des italienischen Pendants in diesem Jahr, dass er den Shrimp Contest dort aufgrund der Debatten zu gleichen Themen vorerst absagen müsse – sehr zum Bedauern vieler die auch bereit waren von weither anzureisen. Da auch der Dutch Shrimp Contest in den Niederlanden seit einigen Jahren nicht mehr stattfindet, steht diese Art der Plattform, die so viel für die Szene leistet, auf wackligen Beinen.
Der Blick nach vorne
Mit meinen persönlichen Eindrücken möchte ich zur Offenheit und zum besseren Verständnis beitragen – denn das Hobby rund um Zwerggarnelen hat wirklich einiges zu bieten. In dem Moment, in dem man wie ein Kind auf dem Boden fasziniert vor den Aquarien sitzt, da vergisst man einfach alles um einen herum – und das ist doch eine willkommene Ablenkung in unserem hektischen Alltag. Ich glaube, wenn wir in der Szene wieder mehr den Spaß am Hobby in den Mittelpunkt stellen, uns gegenseitig Respekt entgegenbringen und weniger vergleichen, dann profitieren am Ende alle – nicht nur die Tiere, sondern auch die Community.