Von klein bis groß – Wurmartiges Futter für alle Zierfischgrößen
Lebendfutter ist für viele Aquarienfische von besonderer Bedeutung. Es verbessert sowohl die Kondition als auch die Laichbereitschaft und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Allerdings ist das Angebot im Zoofachhandel meist gering bis nicht vorhanden. Trocken- und Frostfutter ist einfacher im Umgang, und dafür muss man sogar Verständnis haben. So sind die Aquarianer, die trotzdem Lebendfutter nutzen möchten, meist darauf angewiesen, dieses selbst zu züchten. Denn einige Arten fressen ausschließlich Lebendfutter, und Wildfänge lassen sich besser damit eingewöhnen. Auch für die Aufzucht vieler Jungfische sind zumindest gelegentliche Lebendfuttergaben sinnvoll. Neben den sehr oft eingesetzten Artemia-Nauplien gibt es noch kleine Würmer, die sich gut als Nahrung für die ersten Wochen eignen. Im Folgenden sollen einige Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man seine Fische – je nach Größe – mit Lebendfutter ernähren kann.
Mini-Mikro (Panagrellus silusioides)
Diese auch als „Walterwürmer“ bekannten Futtertiere werden meisthin als „Mini-Mikro“ gehandelt. Egal wie wir sie nennen, sie können auf ganz einfache Weise nachgezüchtet werden. Ein kleiner Behälter (etwa ein kleines Gefäß, wie man es in einer Metzgerei bekommt), reicht schon aus. Gut geeignet sind auch Salatbehälter aus dem Handel, die nur gut gespült werden müssen. In den Deckel kommen einige kleine Löcher zum Gasaustausch. Sie dürfen nur nicht so groß sein, dass es Fruchtfliegen hineinschaffen und fertig ist der Zuchtbehälter.
Als Substrat werden zarte Haferflocken oder Reismehl verwendet, mit Wasser zu einem halbflüssigen Brei verrührt und 5-10 mm hoch eingefüllt. Wenn die Würmchen an den Seiten hochsteigen, können sie z.B. mit einem Wattestäbchen entnommen werden. Mini-Mikro erreichen etwa 15 mm, diese und die etwas größeren Bananenwürmer (20 mm) haben den Vorteil, dass sie in Wasser relativ lange überleben können, was auch zögerlichen Jungfischen die Möglichkeit gibt satt zu werden.

Mikro (Panagrellus redivivus)
Das vielleicht am häufigsten verwendete kleine Wurmfutter sind die Mikrowürmchen. Ihre Zucht erfolgt genauso wie bei den Mini-Mikro. Sie werden bis zu 3,5 mm lang und eignen sich besonders für Jungfische. Mikrowürmchen haben einen Proteingehalt von etwa 10 % und einen Fettgehalt von ca. 5 %. Damit haben sie ein fast ideales Brennwert-/Proteinverhältnis von 1:2. Das ist für die Aufzucht von vielen Fischarten genau das Richtige, vor allem für Allesfresser.



Grindal (Enchytraeus buchholzi)
Die nächste Größenklasse mit bis zu 3,5 mm Länge sind die Grindalwürmer. Sie können nach bereits beschriebenem Schema gezüchtet werden. Das Brennwert-/Proteinverhältnis ist mit 1:1,5 etwas weniger ideal, sie sollten deswegen nicht als Allein-, sondern als Zusatzfutter gereicht werden. Substrat für Grindal kann etwa Schaumstoff oder Seramis sein. Als Futter kommen angefeuchtete Babyflocken oder verkleinerte zarte Haferflocken infrage. Zur Entnahme wird eine kleine Glasplatte auf den Futterbereich gelegt, unter der sich die Würmer sammeln und dann praktisch entnommen werden können. Als Behälter können etwa Eisschalen verwendet werden, der Deckel wird auch hier fein gelocht. Größere Öffnungen können mit feiner Gaze verschlossen werden.

Enchyträen (Enchytraeus albidus)
Noch größer sind Enchyträen, die bis zu 3 cm Länge erreichen können. Sie brauchen deutlich größere Behälter (bspw. Styroporboxen). Als Substrat dient häufig normale Gartenerde. Der Zweitname dieser Würmer – „Kompostwürmer“ – deutet schon auf die Ernährung hin, nämlich alles, was auf den Kompost kann. Ihr Nährstoffgehalt entspricht dem der bereits vorgestellten Grindal. Die Entnahme erfolgt wie bei den Grindalwürmern durch Auflegen einer Glasscheibe auf den Futterbereich.
Tubifex
Diese auch als Schlammröhrenwürmer (Tubifex heißt die Gattung, es gibt mehrere, schwierig zu unterscheidende Arten) bezeichneten Würmer kommen in verschmutzten Gewässern vor. Auf dem Foto sind zwei unterschiedliche Formen (geringelt, ungeringelt) zu erkennen, die zwei Arten darstellen könnten, aber gemeinsam gehandelt werden. Sie können je nach Art zwischen 15 und 85 mm groß werden. Die Würmer sitzen stationär im Bodengrund, der größte Teil des Körpers schaut aber aus dem Wasser heraus. Durch schlängelnde Bewegungen strudeln sie sich Futter heran. Frisch gefangene Tubifex können noch etliche Schadstoffe enthalten und sollten erst zwei bis drei Tage in gut durchlüftetem Wasser zwischengehältert werden, bis der Darm entleert und potenzielle Schadstoffe abgegeben sind.

Glanzwürmer (Lumbriculus)
In der nächsten Größenstufe sind die Glanzwürmer einzuordnen. Schon der Gattungsname Lumbriculus, was so viel wie kleine Lumbricus bedeutet, deutet auf die Verwandtschaft hin. Die angebotenen Glanzwürmer gehören zur Art L. variegatus und können eine Länge von bis zu 10 cm erreichen, haben jedoch einen deutlich schlankeren Körper als Regenwürmer. Der Proteingehalt ist höher, der Fettgehalt deutlich niedriger als bei Enchyträen, deswegen ist eine mehrfache Fütterung pro Woche ohne Verfettungsbefürchtungen möglich. Sie sind teilweise auch als Frostfutter zu bekommen. Die Vermehrung gelingt in Eimern und Styroporboxen, die mit Blumenerde gefüllt werden können, sie erfordert jedoch bereits mehr Platz.

Regenwürmer (Lumbricus)
Zwar kann man Regen- und die ähnlichen Rotwürmer auch im spezialisierten Handel kaufen, einfacher ist es aber, nach einem kräftigen Regen auf Wegen an Wiesen oder Gärten nach ihnen zu suchen. Denn im Gegensatz zu Glanzwürmern können Regenwürmer ertrinken und verlassen die Erde, in der sie leben, wenn es zu nass wird. Sie halten sich einige Tage und sollten vor der Verfütterung von anhaftender Erde befreit werden. Gerade größere Fische (Buntbarsche, Welse etc.) freuen sich über diese Zusatznahrung, die man vor dem Verfüttern durch Zerschneiden auch portionieren kann.
Wenn man keine Kontakte zu anderen Aquarianern hat, die Zuchtansätze anbieten, wird man gewiss auf Fischbörsen oder im Internet fündig. Die meisten Zuchtansätze sind preiswert zu bekommen und bei guter Pflege über lange Zeiträume ergiebige und verlässliche Futterquellen.
