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Guppy, Molly, Platy – Lebendgebärende im richtigen Verhältnis

Du hast es bestimmt auch schon einmal gehört. Guppys, Platy, Schwertträger und andere lebendgebärende Zahnkarpfen sollen im Verhältnis ein Männchen zu drei Weibchen gehalten werden. Wie viele Informationen, die im Internet kursieren, werden derartige Aussagen nicht hinterfragt.

Besonders das permanente Bedrängen der Weibchen durch die Männchen wird als Grund für den Ratschlag angeführt. So vermindert sich der Stress für das einzelne Weibchen?

Uns stellt sich die Frage, ob es wissenschaftliche Belege hierfür gibt?

Quelle: Aquarium Glaser
Quelle: Aquarium Glaser

Die Wissenschaft

Die Recherche der wissenschaftlichen Hintergründe hat Frank Schäfer von Aquarium Glaser für uns vorgenommen. Folgende Antwort erhielten wir von ihm:

Man hat in der Vergangenheit in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten gefunden, dass genau das Gegenteil der Fall ist und ein Überschuss an Männchen für die Weibchen viel schonender ist. Diese Studien wurden in den 1940er und 1950er Jahren durchgeführt. Ziel der Arbeiten war es, die wissenschaftlichen Voraussetzungen für die optimale Laborhaltung von Platys und Schwertträgern zu finden. Denn man hatte herausgefunden, dass bestimmte Kreuzungen zwischen Platy und Schwertträger zu Krebserkrankungen bei den Nachkommen führten. Das war eine revolutionäre Entdeckung, die die Krebsforschung nach vorn katapultierte. Der an diesen Modellorganismen gewonnenen Erkenntnissen verdanken Millionen von an Krebs erkrankten Menschen ihr Leben.
Man fand, dass bei Platys die aggressiven Interaktionen zwischen Männchen und Weibchen vergleichbar waren, also: Weibchen beißen einander genau so oft wie Männchen und zwar unabhängig davon, ob sie in reinen Männchen- oder reinen Weibchengruppen oder in geschlechtlich gemischten Gruppen gepflegt werden. Bei der Kreuzung von Platys und Schwertträgern werden übrigens Verhaltenseigenschaften artrein vererbt. Das bedeutet, dass auch Schwertträger, die ihre Färbung einer Platyeinkreuzung verdanken, das typische, artspezifische Schwertträger-Verhalten zeigen und diesbezüglich nicht von reinrassigen Schwertträgern zu unterscheiden sind. Das gleiche gilt für Platys: sie haben immer das artspezifische Platy-Verhalten, auch wenn sie unter ihren Vorfahren Schwertträger-Einkreuzungen haben.

Doppelschwert - Quelle: Aquarium Glaser
Doppelschwert – Quelle: Aquarium Glaser

Männerüberschuss

Vor diesem Hintergrund stellt sich uns die Frage: “Was passiert, wenn man mehr Männchen als Weibchen in einem Aquarium pflegt?”

Hält man mehr Männchen als Weibchen im Aquarium, rivalisieren die Männchen untereinander und haben weniger Zeit für die Weibchen. Obwohl sie die Weibchen beeindrucken wollen, um um sich herum einen Haarem aufzubauen, bleibt in dieser Konstellation dafür keine Zeit.

Ist dieser Überschuss an Männchen ein Nachteil?

Eigentlich nicht. Die Weibchen können sich, wenn sie nicht Bereit für die Paarung sind, aus dem Staub machen. Die schwächeren Männchen kommen vermutlich zum Zug, sodass sich die besten Gene der dominanten Männchen durchsetzen. Sie spenden dem Rivalisierungskampf viel Zeit. Wir erkennen an dieser Stelle keinen Nachteil!

Die Arten

Bei deinem Zoofachhändler findest du verschiedene Arten von Lebendgebärenden. Jede Art hat ein spezielles Verhalten und hierdurch ergibt sich das Verhältnis der Männchen zu den Weibchen.

Guppys: Wie oben beschrieben, hat der Überschuss an Männchen einen Vorteil auf den gesamten Stamm.

Platys: Im Handel findest du zwei unterschiedliche Platy-Arten, die sich nicht miteinander kreuzen lassen. Dennoch gilt für beide die Empfehlung des Männerüberschusses oder einer Paarhaltung.

Schwertträger: Die Männchen der Schwertträger sind untereinander sehr ruppig, sodass schwache Männchen bis zum Tod unterdrückt werden. Daher sollte nur ein Männchen auf 54L Wasser gepflegt werden. Es ist das Verhältnis von 1:3 anzuraten. In großen Aquarien kann die Gruppe erweitert werden.

Mollys: Sie unterteilen sich in drei Stammarten. Nur eine von ihnen, der Spitzmaulkärpfling, kann wie Guppys und Platys gepflegt werden. Die Breitflossen- und Segelkärpflinge sollten wie Schwertträger gehalten werden.

Lebendgebärend

Der Tierschutz

Was sagt der Tierschutz dazu? Denn im Internet findet sich häufig die Aussage, dass die Weibchen beim enormen Männchenüberschuss gejagt und belästig werden.

Wir haben hierzu wieder Frank Schäfer gefragt:

Es ist vermenschlichend und aus wissenschaftlicher Sicht falsch. Somit ist sie auch ohne  Tierschutz- Relevanz. Da bei Lebendgebärenden Zahnkarpfen Männchen und Weibchen in etwa im Verhältnis 1:1 auf die Welt kommen und alle im Handel befindlichen Tiere ausschließlich Nachzuchtexemplare sind, ist aus Tierschutzsicht der paarige Verkauf als optimal anzusehen, denn wohin sonst mit den überzähligen Exemplaren?

Empfehlung

Wir raten dir dazu, Platys, Schwertträger, Mollys und Guppys paarig oder mit Männchenüberschuss zu halten.

Mehr zu diesem Thema erfährst du hier.

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