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Mythos: Passen sich Fische der Beckengröße an?


Diese Frage und auch gemischte Antworten kommen immer wieder in Foren, auf Vereinsabenden und im Zoogeschäft auf.
Die kurze Antwort ist – Nein.

Warum es tatsächlich doch manchmal passiert, aber das alles andere als gut ist, erklären wir hier.

Es gibt zwei Hauptfaktoren, die auf das Wachstum (und die Gesundheit!) der Fische in unserem Aquarium einwirken.

  • Die Wasserqualität
  • Das Futter
  • Die Beckengröße gehört nicht dazu, beziehungsweise nur indirekt

Für ein gutes Wachstum brauchen Fische einerseits alle essenziellen Nährstoffe in ausreichender Menge, andererseits müssen sie die Abfälle, die beim Stoffwechsel anfallen, aber auch abgeben können müssen. Nun sind die Voraussetzungen in Luft und Wasser komplett unterschiedlich. Das Luftvolumen der Erde ist gewaltig, und die meisten Ausscheidungen von den Landlebewesen landen auf der Erde und werden dort abgebaut. Sie beeinflussen die Lebewesen nicht. Das Medium, in dem sie (und wir) leben – die Luft – bleibt von diesen Abbauvorgängen weitestgehend unberührt.
Im Wasser lösen Abbaustoffe sich in dem Medium, in dem die Tiere leben. Sie haben damit direkten Einfluss auf die Fische. Und genau das ist der wirklich begrenzende Faktor beim Wachstum der Fische in kleinen Becken. Die Dichte der schädlichen Abbaustoffe wird in kleinem Wasservolumen schnell so hoch, dass sie das Wachstum einschränken.
Phosphat und Nitrat wirken wachstumshemmend, aber auch Hormone, die die Fische abgeben, bremsen andere, zumeist unterlegene Tiere im Wachstum – aber auch den Fisch selbst, der sie abgibt. In einem kleinen Wasservolumen sammeln sich diese Stoffe schnell an, während sie in einem größeren Becken viel weiter verdünnt werden und ihre Schädlichkeit verlieren. Es gab Experimente, bei denen Fische in winzigen Becken gehalten wurden, die aber stets mit frischem Wasser durchströmt wurden – und sie wuchsen, bis sie praktisch ihren Behälter ausfüllten.

Der Hauptgrund für die angebliche „Anpassung“ ist demnach die (schlechte) Wasserqualität.

Wenn also gesagt wird, Fische passen sich der Beckengröße an, stimmt das zwar leider, basiert aber darauf, dass die Tiere sich unter nicht optimalen Bedingungen nicht so entwickeln können, wie sie eigentlich sollten. Ganz direkt gesprochen sind „geschrumpfte“ Fische also nichts anderes als Krüppel. Sie können zwar leben, leben auch zumeist vergleichbar lang wie gesunde Fische, aber von artgerechter Haltung kann dabei keine Rede sein.
Umfangreiche, häufige Wasserwechsel wirken zwar der Hemmung durch gelöste Stoffe entgegen. Dennoch sollten wir, als verantwortungsvolle Halter, unseren Tieren den Raum geben, den sie benötigen. Es gibt viele wunderschöne winzig kleine Fische, die entsprechend wenig Futter brauchen und damit auch ein kleines Becken nicht in seinen biologischen Vorgängen überlasten und darin gesund und bis zu ihrer individuellen Endgröße wachsen können.
Wer also keinen Platz für ein großes Becken hat, sollte sich einfach in seiner Auswahl der Tiere an die passenden kleineren halten und wird viel Freude an ihnen haben.

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5 Kommentare

  1. Diese Aussage des Artikels ist schicht und ergreifend Falsch!

    Ich Arbeite seit über 13 Jahren hauptsächlich mit Stichlingen in einem Institut.

    Die Fische werden dort in Becken unterschiedlicher Größe (kleine 30x20x20cm, mittel 90x50x50cm und groß 180x50x50cm) gehalten. ALLE Becken haben ein durchflusssystem und werden durchgehend mit Frischwasser (aus einem See) versorgt. Also ist die belasstung im wasser bei allen Becken gleich.

    Futter: alle Fische bekommen das gleiche und jeder Fisch gleichviel

    Trotzdem ist ein deutlicher Unterschied im Waschtum der Fische zu erkennen. Die Fische mit geringerer Dichte wachsen schneller und die Fische in größeren Becken noch ne ganze ecke schneller.
    Das hängt von 3 faktoren ab erstens der dichte (wieviele Fische in einem Becken zusammen sind) und zweitens der Beckengröße und drittens die Temperatur (wobei die bei Tropischen nicht so eine große rolle spielt da es hier meist keine großen Jahreszeit bedingten Temperaturschwankungen gibt .

    Diese Aussage bezeiht sich hauptsächlich auf den Stichling, aber das haben wir hier auch bei anderen Fischarten feststellen können.

    Bei Hechten sieht das wieder anders aus da wurden schon experimente gemacht und die Fische sind wirklich bis zum Anschlag gewachsen.

    Dies sollte klar man das man pauschal zu der Frage ob sich Fische der Beckengröße anpassen weder JA noch NEIN sagen kann.
    Desweiteren waches Fische ein leben lang nur verlangsammt sich das wachstum mit dem alter.

    LG
    Daniel

  2. Danke danke danke für diesen Artikel!! Diese Aussage hat mich so oft zum verzweifeln gebracht und war quasi immer die Entschuldigung dafür um beispielsweise Prachtschmerlen in ein 60er zu stopfen oder Goldfische in die kleinsten Gläser. Als Zoofachhändler habe ich mir oft den Mund fusslig geredet, aber am Besten war es noch immer wenn ich dann von -inzwischen- kleinlaut gewordenen Kunden 30cm Goldfische aus 80Liter Aquas, 20cm Prachtschmerlen aus 60er, fette Neons und Platys aus 30er, ausgewachsene Skalare aus 60er und 80er…. bekommen habe. Die Liste ist endlos! Das traurige ist das leider die meisten dieser Tiere in irgendeiner Form verkrüppelt waren. Gedrungener Körper, verkürzte Flossen, die Figur wirkt bei manchen Fett und in vielen Fällen hatten sie keine schönen Farben mehr. Mit Glück, Fachwissen und Liebe zum Hobby konnte man aus dem ein oder anderen Tier nochmal etwas Farbe und Lebenswillen rausholen.

  3. Meine Sturisoma aureum werden bei mir im 250 Lt. Becken ca. 20 cm groß, habe sie aber seit 20 Jahren. Im 2000 Lt. Becken werden sie ca. 40 cm groß. Wie geht das hier mit der Anpassung? LG Werner

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