Perfektes Duo: Garnelen und Medaka – Erfahrungen aus über fünf Jahrzehnten Aquaristik
Die moderne Aquaristik hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Neben der reinen Pflege von bestimmten Arten stehen heute unter anderem naturnahe, vielseitige Lebensräume im Fokus. Auch die Garnelenhaltung folgt diesem Trend: Während Neocaridina und Caridina längst fester Bestandteil der Süßwasseraquaristik sind, wächst bei vielen Haltern der Wunsch nach mehr Dynamik im Becken, ohne die Ruhe und Stabilität zu verlieren, die Garnelen benötigen.
Ideale Gesellschaft

In diesem Zusammenhang hat sich der Japanische Reisfisch oder Medaka (Oryzias latipes) als passende perfekte Gesellschaft etabliert. Die gemeinsame Haltung von Garnelen und Medaka eröffnet neue Perspektiven sowohl im Aquarium als auch im Outdoor-Miniteich.
Ich bin seit über 50 Jahren enthusiastischer Vollblut Aquarianer, beschäftige mich seit rund 15 Jahren intensiv mit der Haltung und Zucht von Neocaridina und halte seit etwa 10 Jahren Medaka. In dieser Zeit habe ich beide Tiergruppen bewusst gemeinsam gepflegt: sowohl indoor im Aquarium als auch saisonal outdoor im Miniteich.



Bunte Vielfalt
Was bei mir zunächst aus reiner Neugier und der Tatsache entstand, dass die Medaka im Herbst einen Platz zum Überwintern suchten, hat sich zu einer der spannendsten Formen meiner Welt der Aquaristik entwickelt. Besonders begeistert mich die Vielfalt an Farben, die Möglichkeit, genetische Eigenschaften gezielt zu nutzen, sowie der langfristige Prozess der Selektion über mehrere Generationen hinweg. Die Spannung ob gezielte Zuchtprojekte wirklich erfolgreich sein werden, hat für mich persönlich einen großen Reiz. Ein gehöriges Maß an Geduld spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Phänotyp ist nicht gleich Genotyp, und oft werden Zuchtziele erst nach mehreren Generationen sichtbar.
Nicht zu verachten ist die Tatsache, dass ein mit Garnelen und Medaka besetztes Aquarium immer wieder, ganz besonders bei der Fütterung, Glücksmomente auslösen kann.





Wachsendes Interesse bei Garnelenhaltern
Mehrere Faktoren könnten die stark wachsende Beliebtheit des Medaka in den letzten Jahren erklären:
Medaka sind relativ kleine, friedliche Fische und nutzen überwiegend den oberen und mittleren Wasserbereich. Dadurch ergänzen sie Garnelen, die sich bodennah und eher strukturgebunden aufhalten. Ihre Ansprüche an Temperatur und Wasserwerte machen eine gemeinsame Haltung mit Neocaridina und robusten Caridina-Arten, mit wenigen Ausnahmen möglich.
Hinzu kommt die enorme Vielfalt an Farb- und Zuchtformen, die sich, ähnlich wie bei Garnelen, durch gezielte Verpaarung und Selektion entwickelt hat. Für viele Garnelenhalter und -züchter ist der Medaka damit eine logische Erweiterung des eigenen Interesses. Ohne konsequente Selektion verlieren beide über Generationen hinweg ihre Farbintensität und entwickeln sich wieder in Richtung grauer oder graubrauner Wildformen.

Gemeinsame Haltung im Aquarium
Im Aquarium kann die Vergesellschaftung von Garnelen und Medaka sehr gut funktionieren, wenn einige grundlegende Punkte beachtet werden. Entscheidend sind ausreichend Volumen (ab 54 Litern) und eine gute Strukturierung. Moose, feinfiedrige Pflanzen, Wurzeln und Steine bieten Garnelen, insbesondere frisch entlassenen, wichtige Versteckmöglichkeiten. Medaka nutzen hingegen eher die freien Schwimmzonen im mittleren und oberen Beckenbereich.
Neocaridina-Arten eignen sich besonders gut für diese Kombination, da sie robust sind und sich auch bei moderaten Verlusten zuverlässig vermehren. Bei empfindlicheren Caridina-Arten ist die gemeinsame Haltung zwar möglich, aber nicht unbedingt empfehlenswert, da diese in der Regel in sehr weichem Wasser gehalten werden und die Medaka bei dieser Wasserhärte zwar prima gedeihen, sich aber nicht sehr gut vermehren.
Medaka sind keine aggressiven Jäger, sie nehmen aber alles auf, was ins Maul passt. Eine gezielte, ausreichende Fütterung mit langsam sinkenden beziehungsweise lange schwimmendem Futter oder auch Lebendfutter (z.B. Daphnien, Artemianauplien) reduziert den Jagddruck deutlich. Gleichzeitig profitieren Garnelen von Futterresten. Natürlich werden sich die Medaka ab und an mal ein Garnelen Baby schnappen, aber aus meiner Erfahrung bleibt die Population sehr stabil beziehungsweise wächst sie sogar. Bei der Fütterung mit Garnelensticks und absinkendem Futter treffen sich Garnelen und Medaka friedlich, aber turbulent an der Futterquelle, und dieses Schauspiel begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Haltung im Outdoor-Miniteich
Besonders naturnah gestaltet sich die gemeinsame Haltung im Miniteich auf Balkon, Terrasse oder im Garten. Medaka zeigen im Freiland ein sehr ursprüngliches Verhalten, profitieren von natürlichem Sonnenlicht, Temperaturverläufen und einem reichen Angebot an Mikroorganismen. Hier zeigen sie eine ausgesprochen intensive Färbung, Auch Neocaridina lassen sich in gut eingefahrenen ausbruchssicheren Miniteichen erfolgreich pflegen. Caridina-Arten dagegen sollten eher nicht in Outdoor-Miniteichen gepflegt werden, da in den Sommermonaten hohe Wassertemperaturen nicht ausgeschlossen werden können. Bei mir persönlich erreichen die Miniteiche nicht selten Wassertemperaturen von über 30° Celsius. Wichtig ist bei warmen Temperaturen, dass das Wasser im Teich nicht umgewälzt wird, um eine Temperaturschichtung zu ermöglichen. Die Tiere ziehen sich dann in kühlere Schichten zurück.
Entscheidend sind ausreichend Volumen, eine dichte Bepflanzung sowie ein sonniger bis halbschattiger Standort. Moose und feinfiedrige Wasserpflanzen bieten Garnelen Schutz und dienen Medaka gleichzeitig als Laichsubstrat. In gut strukturierten Miniteichen vermehren sich sowohl Garnelen als auch Medaka. Wichtig ist, die Tiere rechtzeitig vor Wintereinbruch zu sichern, insbesondere Jungtiere reagieren empfindlich auf niedrige Temperaturen und stellen das Wachstum ein bzw. sterben dann auch eher. Die Umstellung auf Indoor-Pflege erfolgt bei mir sehr langsam über mehrere Tage. Ab Oktober, wenn die Wassertemperatur dauerhaft bei ca. 10° Celsius liegt, wandern die meisten Medaka und die Neocaridina ins Aquarium im Fischkeller bei ca. 18° Celsius. Mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr kommen alle dann wieder raus in die Miniteiche.

Medaka und Wirbellose – was passt, was nicht?
Die Vergesellschaftung mit Großarmgarnelen oder Krebsen ist nicht zu empfehlen. Viele dieser Arten sind räuberisch und stellen eine reale Gefahr für Medaka dar. Schnecken hingegen sind unproblematische Mitbewohner und leisten sowohl im Aquarium als auch im Miniteich einen positiven Beitrag als Putztrupp zur Verwertung organischer Reste.

Fressen Garnelen Medakaeier?
Garnelen fressen in der Regel nicht den Embryo eines gesunden Medakaeis. Häufig wird lediglich die äußere Eihülle abgeweidet, insbesondere bei unbefruchteten oder abgestorbenen Eiern. Gleichzeitig reinigen die Garnelen Laichplätze von Pilzen und organischem Material.