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Rinderherz – Futter für gewisse Temperaturen?

Seit ich denken kann, wird das Thema “Füttern mit Rinderherz” in der Fachliteratur und dem Internet stark diskutiert.

Aus der Ecke der Diskuszüchter findet man häufig Befürworter. Vereinzelt finden sich auch Anhänger unter den Piranha- und Großcichlidenhaltern.

Eine Frage stellt sich mir sofort: “Fallen Kühe in den Amazonas und werden dann von den Fischen gefressen”? Wenn ja, müsste die Kopfform der Fische und deren Gebiss dafür nicht ausgebildet sein? Bei Piranhas ist das Gebiss geeignet, aber ich habe am dicht bewachsenen Ufer des Amazonas bisher kaum Rinder beobachten können. Im natürlichen Umfeld scheinen sich die Fische daher anders zu ernähren.

Somit muss die Fütterung mit Rinderherz, besonders bei Diskus, einen anderen Hintergrund haben. Da Züchter in kurzer Zeit große Tiere benötigen, wird Rinderherz als Mastfutter eingesetzt. Somit wachsen die Tiere schnell heran.

Bei der Recherche bin ich auf den Beitrag Rinderherz – Fischfutter? Betrachtungen zu Fütterung und Haltungstemperatur von Symphysodon von aquamax Bernd Kaufmann gestoßen.

Er hat zahlreiche Fakten und Hintergrundinformationen von Futterexperten und Biologen zusammengetragen und beleuchtet das Thema kontrovers.

Im Folgenden möchte ich einige Fakten anführen, die mir bei allen Empfehlungen und Diskussionen aufgefallen sind.

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Die Temperatur

Kaum ein anderer Fisch wird bei Temperaturen von ca. 30°C oder höher gehalten. Die natürlichen Biotope sind allerdings kälter. Mit der höheren Temperatur wird der Stoffwechsel beschleunigt. Hat das einen Zusammenhang mit dem Rinderherz? Es würde mit den Aussagen, dass Diskus bei Temperaturen unter 26 – 28 °C schnell krank werden, zusammenpassen. Mir sind allerdings auch Aquarien bekannt, bei denen Diskus kerngesund bei 25 °C gehalten werden. Woran liegt das?

Der Stoffwechsel der Tiere wird bei beiden Haltungsbedingungen unterschiedlich sein. Erhalten Sie das gleiche Futter?

Quelle: aquamax
Quelle: aquamax – Das Ablaichen wird beim Diskus wie bei den meisten anderen tropischen Fischen nicht durch Temperaturerhöhung, sondern durch Wasserwechsel mit leichter Temperatursenkung ausgelöst.

Rinderherzfutter

Bei der Recherche stieß ich immer wieder auf Prof. Heinz Bremer, der in seinem Buch “Aquarienfische gesund ernähren” auf dieses Thema eingeht. Er erklärt, dass die Fütterung von rinderherzhaltigem Futter möglich ist, aber spezielle Herstellungsmethoden hierfür notwendig sind. Fett- und Bindegewebsteile sollten vollständig entfernt und nur der Herzmuskel verwendet werden. Auch bei der Weiterverarbeitung sind spezielle Vorkehrungen zu treffen.

Springen wir noch einmal auf die Temperatur zurück – sie scheint der Schlüssel zu sein. Fette im Säugetiergewebe sind bei Raumtemperatur fest. Selbst bei 32 °C sind diese nicht “schmierig”, anders als bei Fischfetten, die schon bei Raumtemperatur ölig sind.  Wie aber verdauen Fische diese Fette?

Vergleichen wir die Inhaltsstoffe handelsüblicher Trockenfutter, kommen lediglich verschiedene Arten Fischfleisch zum Einsatz.

Diskus "Rottürkis" 7-9cm Foto: aqua-global
Diskus “Rottürkis” 7-9cm Foto: aqua-global

Atmung

Als letzten Aspekt möchte ich auf den Sauerstoffgehalt des Wassers eingehen. Mit steigender Temperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Beim Fressen haben Fische einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Da Rinderherz für die Fische schwerer zu verdauen scheint (im Vergleich zu fischhaltigen Futtersorten oder Lebendfutter), haben sie einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Teile, die nicht verdaut werden, scheidet der Fische wieder aus. Daher wird das Wasser stärker belastet.

Quelle: aquamax
Quelle: aquamax

 

Fazit

Wer Rinderherz verfüttert, kommt um die hohen Haltungstemperaturen nicht herum. Andernfalls kommt es bei den ernährten Tieren zu Krankheitserscheinungen, die bis in den Tod münden können. Häufig ist ein Darmverschluss die Ursache, da die Fette bei niedrigen Temperaturen und der Anteil an Kollagen nicht verdaut werden können. Für Züchter, die den Nachwuchs schnell auf eine spezielle Größen bringen möchten und die technischen Gegebenheiten besitzen, ist die Fütterung mit Rinderherz möglich.

Die Belastungen des Wassers müssen mit großen und häufigen Wasserwechseln kompensiert werden. In großen Zuchtanlagen ist häufig der Einsatz von Ozon und H2O2 zusätzlich zu beobachten.

Für einen Züchter, der viele Aquarien in einer Anlage pflegt, kein Problem. Aber ist es für den privaten Einzelhalter wirklich notwendig? Am Markt gibt es viele Futtermittel und Alternativen. Warum muss an dieser traditionellen Philosophie festgehalten werden?

Trete mit uns in die Diskussion ein. Schildere deine Erfahrungen zum Thema Rinderherzfütterung oder deinen Alternativen dazu. Wir sind gespannt.

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Ein Kommentar

  1. Rinderherz muss nicht sein. Meine Kundenerfahrung ist, dass Diskus mit einem Frostfutter ohne Rinderherz genauso gut wachsen. Ich selbst mische mir mein Futter selbst mit Fischfilet und Garnelen anstatt von Rinderherz und wird super angenommen.

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