Faszination Aquaristik: Neocaridina mit Orange Eyes – Die neuen Farbwunder und Zuchtlinien im Check

Faszination Aquaristik: Neocaridina mit Orange Eyes – Die neuen Farbwunder und Zuchtlinien im Check

Lange Zeit galt das Merkmal der leuchtend orangefarbenen Augen als exklusives Privileg bestimmter Caridina-Arten, wie etwa der Tigergarnele. Doch die Aquaristik steht niemals still: In den vergangenen Jahren ist es ambitionierten Züchtern gelungen, diese besondere Mutation auch in die Welt der Neocaridina zu übertragen.

Das Ergebnis ist eine völlig neue Ästhetik bei den wohl beliebtesten Zwerggarnelen unseres Hobbys. Der Kontrast zwischen einer tiefblauen oder deckend roten Körperfarbe und den glühenden Augen sorgt für eine optische Tiefe, die viele Aquarianer begeistert. Doch wie steht es um die Erbfestigkeit dieser Tiere? Welche Linien gelten heute als „fertig“ und woran arbeiten Experten wie Michael Häsler und Dr. Philipp Baumann aktuell in ihren Zuchtanlagen? In der heutigen Ausgabe unserer Kooperation mit dem Dähne Verlag werfen wir einen detaillierten Blick auf den aktuellen Stammbaum der „Orange Eyes“ und begleiten den Weg von der ersten Mutation bis hin zum stabilen Zuchtstamm.

Neocaridina-Garnelen mit Orange Eyes (OE) Foto: Michael Häsler
Neocaridina-Garnelen mit Orange Eyes (OE) Foto: Michael Häsler

Ein Überblick über etablierte Linien in der Aquaristik – Neocaridina-Garnelen mit Orange Eyes (OE)

Die orangen Augen (engl. orange eyes; OE) der Neocaridina-Garnelen stellen für viele Züchter ein interessantes genetisches Merkmal dar und bieten die Möglichkeit, bei bekannten Farbschlägen einen tollen Kontrast einzukreuzen. Seit der ersten Beschreibung dieser mutmaßlichen Mutation haben sich mehrere Linien etabliert, die heute als weitgehend farbstabil gelten. Hier geben wir einen Überblick über diese Varianten und werfen einen Blick auf ambitionierte zukünftige Zuchtziele.

Red Demon

Die deckend rot gefärbte „Bloody Mary OE“ stellten wir im caridina-Magazin 2/22 als die erste Neocaridina-Zuchtform mit orangefarbenen Augen vor und berichteten über ihr Aussehen und die genetischen Grundlagen. Aufgrund der Ähnlichkeit zur Caridina sp. „Red Devil“ wurde diesedamals viel diskutierteLinie „Red Demon“ genannt. 

Black Rose OE

Die schwarze Linie entstand etwa zur gleichen Zeit wie die rote Linie und wird bei vielen Züchtern durch Selektion farblich stabil gehalten. Gelegentlich überlagern bei adulte Weibchen rostfarbene Pigmentierungen die schwarzen Farbe, nicht ungewöhnlich bei schwarzen Neocaridina. Eine wichtige Rolle hat diese Linie vor allem als Ausgangspunkt für das Einkreuzen in die Blue Dream und später auch in die Red Onyx inne.

Blue Dream OE

Die Blue Dream OE wurde zeitlich etwas später gekreuzt. Obwohl die ersten blauen OE-Tiere bereits vor mehreren Jahren bei einigen Züchtern Einzug hielten, hat sich der Prozess, einen stabil reinen Blauton ohne schwarze Pigmentanteile zu etablieren, als langwierig und aufwändig herausgestellt. Zum Glück hat sich der hohe Selektionsaufwand aber ausgezahlt – heute sind gut selektierte Linien in ihrer Stabilität mit klassischen „Blue Dream“-Linien vergleichbar. Die orangefarbenen Augen kommen bei der blauen Körperfarbe besonders gut zum Vorschein.

Black Sapphire OE

Die Black Sapphire OE entstand durch das Einkreuzen der schwarzen OE-Linie in die Blue Sapphire. Da der Rückenstrich nur sehr selten in dieser Linie auftauchte und auch die blaue Körperfarbe zu dunkel und somit noch nicht befriedigend war, wurde die Bezeichnung „Black Sapphire“ gewählt. Der Weg zu einer stabilen Linie mit kräftigem Rückenstrich auf einer deckend-dunkelblauen Körperfarbe ist derzeit ein ambitioniertes Zuchtziel für die Zukunft.

Green Demon

Green Jade OE, auch Green Demon genannt, sind aktuell noch sehr selten. Entstanden sind sie aus Verpaarungen von Black Sapphire OE mit Dark Green Jade. Eine Rückkreuzung mit Dark Green Jade festigte die grüne Körperfärbung. Davon unabhängig sind weitere grüne OE-Linien entstanden, welche beispielsweise einen attraktiven Rückenstrich tragen.

Orange Sakura OE

Diese Linie wurde eigentlich nie aktiv gezüchtet, sondern ist durch Zufall aus der Green Demon gefallen. Die orangen Augen erkennt man wirklich nur bei guten Lichtverhältnissen und genauem Hinschauen – farblich sind sie auch noch nicht so homogen wie andere besser selektierte „Orange Sakura“-Linien.

Blue Jelly OE

Diese Linie entstand aus Verpaarungen von Bloody Mary OE mit Blue Jelly. Dabei fielen zunächst auf OE spalterbige Red Rili, welche erneut mit Blue Jelly verpaart schließlich erste Blue Jelly OE hervorbrachten. Mittlerweile sind die bestehenden Linien gut selektiert, sodass rote Restpigmente, z.B. am Rostrum, so gut wie nicht mehr auftreten. Durch sorgfältige Selektion ließ sich die Körperfarbe der Stämme zunehmend auf das charakteristische Eisblau festigen, während gleichzeitig die Ernährung entscheidend zur Farbentwicklung beiträgt (siehe Titelthema „Stoffwechselmodule“ in Ausgabe 4/25).

Red Onyx OE 

Diese Tiere stammen von den Black Rose OE ab und zeichnen sich durch ihre besonders intensiv rostrote Deckfärbung aus. Im Kreuzungsprozess wurden dafür zunächst Black Rose OE über mehrere Generationen auf rostrote Akzente in der Deckfärbung selektiert und anschließend mit Red Onyx verpaart, um die rostrote Deckfärbung zu verstärken und zu festigen. Inzwischen ist der Red Onyx OE Stamm in Aussehen und Varianz (bis auf die OE) kaum noch von seiner schwarz-äugigen Verwandtschaft zu unterscheiden. 

Red Onyx OE Foto: Michael Häsler
Red Onyx OE Foto: Dr. Philipp Baumann

Snowstorm OE

Das ambitionierte Ziel eine Neocaridina palmata „Snowstorm“ OE zu züchten, wurde erstmalig von Daniel Carlsson (Laholm, Schweden) verwirklicht. Nachdem er die neue Variante der „White Pearl“ mit Rückenstrich erhalten hatte, startete er einen Kreuzungsversuch mit nur zwei Tieren. In der ersten Generation fielen vitale wildfarbene Nachkommen, woraufhin buchstäblich die Suche nach der Nadel im Heuhaufen begann: Die OE-Gene mussten sich mit jenen Genen kombinieren, die der N. palmata ihre charakteristische weiße Körperfarbe verleihen. Hierfür waren mehrere Becken und viel Geduld erforderlich, doch der Aufwand lohnte sich. Heute fokussiert sich Daniel auf einen besonders breiten Rückenstrich – die weiße Körperfarbe ist bereits stabil etabliert, und der Kontrast der orangen Augen überzeugt.

Snowstorm OE Foto: Michael Häsler
Snowstorm OE Foto: Michael Häsler

Hochmotiviert laufen aktuell einige weitere OE-Zuchtprojekte, wie beispielsweise die Kreuzung auf Red Rili, Carbon Rili und Green Rili mit orangen Augen. Hier gestaltet sich die Festigung der Rili-Musterung aber bislang äußerst schwierig. Bei der Green Rili OE wächst beispielsweise im Moment die zweite Generation heran; grob geschätzt besitzen aber nur 5-10% eine Rili-Musterung. Wenn dieser Anteil Generation für Generation um ein paar Prozent erhöht werden kann, haben wir vielleicht irgendwann eine halbwegs stabile Linie. 

Die Etablierung der „Orange Eyes“ (OE) bei Neocaridina-Garnelen markiert einen bedeutenden Fortschritt in der modernen Garnelenzucht und bringt ein außergewöhnliches genetisches Merkmal in eines der beliebtesten Gebiete der Aquaristik. Dieser Beitrag beleuchtet, wie es engagierten Züchtern durch jahrelange Selektionsarbeit gelungen ist, den markanten Kontrast der leuchtenden Augen in bekannte Farbschläge zu integrieren. Dabei werden bereits farbstabile Linien wie die „Red Demon“ oder die tiefblaue „Blue Dream OE“ sowie die beeindruckende „Snowstorm OE“ detailliert vorgestellt. Während viele dieser Varianten heute in ihrer Erbfestigkeit den klassischen Linien in nichts nachstehen, zeigt der Ausblick auf aktuelle Projekte, dass die züchterische Reise bei komplexen Mustern wie den Rili-Garnelen noch lange nicht am Ende ist.

Die Etablierung von Orange Eyes bei Neocaridina-Garnelen markiert einen ästhetischen Meilenstein und bietet durch stabile Linien wie „Red Demon“ oder „Blue Dream OE“ faszinierende Kontraste für das Heimaquarium. Während viele Farben bereits eine hohe Erbstabilität aufweisen, bleibt die Zucht komplexer Muster wie Rili-Varianten eine spannende Herausforderung für die Zukunft. Dieser Überblick verdeutlicht, dass die Kombination aus züchterischer Geduld und genetischem Verständnis die Vielfalt robuster Zwerggarnelen stetig auf ein neues Level hebt.

Über das Magazin: Caridina

Caridina – Das Magazin für Wirbellose im Süßwasseraquarium
Das Magazin Caridina ist das führende Fachmagazin für Aquarianer, die sich auf die Haltung, Zucht und Pflege von Garnelen, Krebsen, Schnecken und anderen Wirbellosen spezialisiert haben. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gepflegten und zuchtfähigen Linien. Mit liebevoll gestalteten, gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Züchter ideal.

Was bietet das Magazin?

  • Fachkundige, didaktische Berichte und brillante Fotos von renommierten Autoren
  • Spannende Fachartikel zu Garnelen, Krebse, Schnecken, Wasserpflanzen, Aquarientechnik und mehr
  • Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Produktneuheiten
  • Jedes Heft widmet sich einem speziellen Themenbereich, der in mehreren Beiträgen vertieft wird
  • Erscheinungsweise: 4-mal jährlich (quartalsweise)

Zielgruppe:
Alle, die sich für die Pflege, Zucht und Haltung wirbelloser Süßwasserbewohner interessieren – von begeisterten Einsteigern bis zu professionellen Züchtern.

Weitere Infos:
Mehr zur Zeitschrift und Abonnements finden Sie hier: Caridina – Zeitschrift für Wirbellose

Über den Dähne Verlag

Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.

Verlagsangebot im Überblick:

  • Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
  • Internet-Portale und Online-News-Dienste
  • Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
  • Eine große Auswahl an Büchern (über 90 Titel) zu Aquaristik, Garten, Teich- und Terraristik
  • Weitere Publikationen wie Einkaufsführer, Adressverzeichnisse und mehr

Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.

Mehr erfahren: Webseite des Dähne Verlags

 

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Michael Häsler und Dr. Philipp Baumann

In diesem Beitrag vereinen zwei namhafte Experten ihr Wissen, um tiefe Einblicke in die Aquaristik zu geben:

  • Michael Häsler ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der deutschen Aquaristik-Szene. Er ist nicht nur als versierter Fachautor für den Dähne Verlag bekannt (unter anderem durch Standardwerke zur Zierfischzucht und Aquarientechnik), sondern auch als leidenschaftlicher Praktiker. Sein Schwerpunkt liegt auf der Zucht und Haltung von anspruchsvollen Zierfischen, wobei er stets den Fokus auf naturnahe Bedingungen und technische Präzision legt. Seine langjährige Erfahrung macht ihn zu einem geschätzten Ratgeber für komplexe ökologische Zusammenhänge im Aquarium.
  • Dr. Philipp Baumann bereichert das Duo durch seine fundierte wissenschaftliche Perspektive. Als Biologe mit tiefgreifenden Kenntnissen in der Fischphysiologie und Wasserchemie versteht er es, biologische Prozesse auf zellulärer und ökologischer Ebene zu erklären. Dr. Baumann ist dafür bekannt, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie für den Hobby-Aquarianer direkt anwendbar sind, insbesondere wenn es um Fischgesundheit und die Optimierung von Lebensbedingungen geht.

Gemeinsam stehen Michael Häsler und Dr. Philipp Baumann für eine Aquaristik, die modernes Fachwissen mit praktischem Fingerspitzengefühl verbindet – eine ideale Kombination für die fundierten Berichte in Magazinen wie „Aquaristik“ oder „Caridina“.

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