Malawisee-Aquarien – Die farbenprächtige Unterwasserwelt Afrikas

Der Malawisee in Ostafrika ist mit einer Länge von 560 Kilometern, einer Breite von durchschnittlich 50 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 704 Metern das drittgrößte Gewässer auf dem Kontinent. Er existiert bereits mehrere Millionen Jahre. Durch seine besondere geographische Lage konnte sich in dem Süßwasser eine einzigartige Fischfauna mit hunderten verschiedenen Arten entwickeln. Rund 70 Prozent davon gehören zu den Buntbarschen (Cichliden), von denen es die meisten tatsächlich nur hier gibt und nirgends anders auf der Welt.

Aulonocara
Foto: FLH. – Aus dem Malawisee in Ostafrika stammt zum Beispiel die farbenprächtige Buntbarsch-Gattung Aulonocara.

„Auch wenn es der Name vermuten lässt, Buntbarsche gehören nicht zu den Barschen. Die beiden Familien sind noch nicht einmal näher miteinander verwandt”, erläutert Stefan Schmölzing von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e. V. (FLH). „Aufgrund ihrer interessanten Musterungen und ihren lebendigen Farben sowie der Tatsache, dass die robusten Tiere verhältnismäßig einfach in Haltung und Nachzucht sind, gehören Malawibuntbarsche seit langem zu den beliebtesten Aquarienfischen. Auch Aquaristik-Neulingen kann man sie bedenkenlos empfehlen.”

Intensive Brutpflege und Revierkämpfe

Natürlich gibt es aber auch bei der Haltung von ostafrikanischen Cichliden einiges zu beachten. Besonders wichtig zu wissen: Buntbarsch ist nicht gleich Buntbarsch! Jede Art stellt besondere Ansprüche an Futter, Vergesellschaftung und Lebensraum. Deshalb sollte man sich möglichst schon vor dem Einrichten des Beckens entscheiden, welche Arten man sich zulegen möchte.
Die meisten Malawibuntbarsch-Arten haben eine Körperlänge von zehn bis 15 Zentimetern und können vier bis zehn Jahre alt werden. Unter ihnen gibt es sogenannte Offenbrüter und Höhlenbrüter, die ihren Laich mehr oder weniger versteckt auf Blättern oder Steinen ablegen. Die große Mehrheit der Malawibuntbarsche gehört aber zu den Maulbrütern: Das Weibchen sammelt die gelegten Eier mit dem Maul auf und lässt sie dort vom Männchen befruchten. Bis die Jungen nach etwa 3 bis 4 Wochen schlüpfen, bleiben sie zum Schutz vor Fressfeinden im Maul der Mutter versteckt. Erst wenn die Brut entlassen ist und frei im Wasser schwimmt, kann das Weibchen wieder richtig fressen. Die Männchen kümmern sich nicht weiter um ihre Nachkommen. Sie sind ständig auf der Balz und auf der Suche nach neuen Weibchen. „Dies sollte beim Besatz des Beckens berücksichtigt werden”, so Schmölzing. „Idealerweise hält man immer pro Männchen eine Gruppe Weibchen. Bei Paarhaltung würde das Weibchen sonst zumeist sehr stark bedrängt. Leben mehrere Männchen einer Art in einem Aquarium, muss dies entsprechend groß sein, denn Buntbarsche bilden Reviere, die sie sehr aggressiv verteidigen. Solche Kämpfe können sogar tödlich enden.” Wieviel Volumen das Aquarium fassen sollte, richtet sich nach der Anzahl und der Größe der ausgewählten Cichliden. Es gibt einige Arten, die klein sind und sich eher friedlich gebärden, zum Beispiel Schneckenbuntbarsche. Für sie reicht ein Becken von 60 bis 80 Zentimetern Kantenlänge aus. Grundsätzlich gilt aber: Je größer, desto besser.

Malawi Musterung
Foto: FLH. – Aufgrund ihrer interessanten Musterungen, ihren lebendigen Farben und ihrer verhältnismäßig einfachen Haltung gehören Malawibuntbarsche seit langem zu den beliebtesten Aquarienfischen.

Besonders reizvoll ist es, wenn in einem Malawisee-Aquarium verschiedene Buntbarsch-Arten zusammenleben. Ein farbenfrohes Treiben entsteht beispielsweise, wenn der Pseudotropheus demasoni mit seinem blau-schwarzen Querstreifenmuster und der Labidochromis Yellow, der durch seine leuchtend gelbe Farbe auffällt, eine Wohngemeinschaft bilden. Beide Fische bevölkern ursprünglich den felsigen Uferbereich des Malawisees und stellen daher ähnliche Ansprüche an ihre Umgebung. „Eine Vergesellschaftung verschiedener Arten hat auch einen ganz praktischen Nutzen für den Frieden im Aquarium”, erklärt der Experte. „Je höher der Fischbesatz, desto mehr müssen sich die Männchen auf die Verteidigung ihres Reviers konzentrieren und kommen nicht dazu, Rivalen zu jagen. Aggressionen und Kämpfe werden so reduziert.” Bei der Nahrung sind Buntbarsche leicht mit handelsüblichem Lebend-, Frost- und Flockenfutter zufriedenzustellen. Die meisten Arten sind Allesfresser. Daneben gibt es aber auch welche, die hauptsächlich auf tierische oder pflanzliche Nahrung spezialisiert sind. Darauf muss bei der Auswahl des Futters geachtet werden.

Dunkle Felswände

Der Malawisee hat eine große Sichttiefe und ist ein recht sauberes Gewässer mit hohem pH-Wert. Wichtig für das Aquarium sind daher eine leistungsstarke Filteranlage und eine kräftige Belüftung zur Sauerstoffversorgung. Die ideale Wassertemperatur für die meisten afrikanischen Buntbarsche liegt bei 25 bis 26 Grad Celsius, der pH-Wert darf auf keinen Fall unter 7,5 absinken. In Bezug auf die Beleuchtung stellen die Fische keine besonderen Anforderungen. Wichtig ist jedoch, dass das Licht nicht zu hell ist.
Die Aquarium-Einrichtung sollte möglichst den natürlichen Lebensraum der ausgewählten Arten nachbilden. Die meisten bevölkern in der Natur die felsigen Uferbereiche oder Geröllzonen. Entsprechend sollte das Becken an der Rückseite Steinaufbauten bekommen, die bis dicht unter die Wasseroberfläche reichen. Durchbrüche und Höhlen bieten den Tieren ausreichend Versteckmöglichkeiten, „Wichtig ist, dass alle Stein- und Felsaufbauten absolut standsicher sind, denn Buntbarsche gehen häufig ziemlich rabiat mit der Beckeneinrichtung um”, so Schmölzing. „Auch sollte man das Gewicht der Steine bei der Standortwahl des Aquariums berücksichtigen.”

Als Bodenbedeckung empfiehlt sich eine dicke Schicht aus Sand oder Feinkies. Sie ist vor allem für Arten wichtig, die in der Natur den Übergangsbereich zwischen Felsen und Sand besiedeln. Einige dieser Cichliden brauchen außerdem leere Schneckengehäuse, in die sie sich zurückziehen können. Pflanzen haben es für gewöhnlich in einem Buntbarschaquarium schwer: Manche Arten betrachten sie als Nahrung, andere reißen sie beim Graben nach Futter aus dem Boden. Für Aquarianer, die trotzdem nicht auf etwas Grün im Becken verzichten möchten, bietet der Fachhandel ein Sortiment an sogenannten Barschpflanzen, die besonders robust sind, wie verschiedene Anubiaarten und das Javafarn.

Quelle: FLH

Über die Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren e. V. (FLH): Die Fördergemeinschaft „Leben mit Heimtieren“ e. V. (FLH) ist ein markenneutraler, freiwilliger Zusammenschluss von Mitgliedern der Zoofachhandelsbranche. Der Verein verfolgt das Anliegen, die positive Grundhaltung der Menschen gegenüber der Heimtierhaltung – speziell gegenüber der Aquaristik, Terraristik und des Teichbereichs – zu stärken. Zu diesem Zweck setzt sie auf PR-Maßnahmen wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Messeauftritte im Endverbraucherbereich.

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